Kaffee trinken mit Blick auf alte Grabsteinen, Kuchen genießen im Schatten jahrhundertealter Bäume: Was zunächst ungewöhnlich klingt, gehört in Berlin längst zum Stadtbild. Friedhöfe sind hier nicht nur Orte der Ruhe und Erinnerung, sondern auch lebendige Treffpunkte. Ob im charmanten Café Finovo, beim böhmischen Gebäck im Nonna oder beim stilvollen Brunch im 21gramm - jedes dieser Cafés erzählt seine eigene Geschichte. Begleitet uns auf eine besondere Entdeckungstour und lernt Berlin von seiner stillen, aber auch überraschend genussvollen Seite kennen.
Tipp 1: Besucht das Café Finovo auf dem Alten St. Matthäus-Kirchhof
Gleich links hinter dem beeindruckenden Eingangsportal des Alten St. Matthäus-Kirchhofs lädt das Café Finovo mit bunt zusammengewürfelten Gartenmobiliar zur gemütlichen Kaffee-Stunde. An den Wänden wuchert Efeu, in den Pflanzkübeln grünt und blüht es und unter den großen Sonnenschirmen erzählen sich die Menschen bei Kaffee und Kuchen ihre Geschichten. Das Café Finovo ist eine davon.
Stöbert man in den Veröffentlichungen darüber, erfährt man, dass es 2006 von dem schwulen Aktivisten und Schauspieler Bernd Boßmann als erstes Friedhofscafé in Berlin gegründet wurde. Noch heute engagiert sich dieser mit vielen anderen ehrenamtlichen Helfer:innen, pflegt die prächtigen Gräber, führt Besucher:innen durch Flora, Fauna und Geschichte des alten Kirchhofs und macht ihn so zu einem Ort der Begegnung. Ein wahrhaft märchenhafter Ort – und nicht nur, weil neben vielen berühmten Berliner:innen hier auch die Gebrüder Grimm ruhen. Hier erfahrt ihr mehr über den Alten St.-Matthäus-Kirchhof.
Wann: Mittwoch bis Samstag 11 - 19 Uhr, Sonntag 10 – 19 Uhr, Dienstag 12 -19u Uhr
Wo: Café Finovo Großgörschenstr. 12–14, Schöneberg, , Tel. 030/20 61 55 20, online
Tipp 2: Probiert böhmische Backwaren im Nonna Café & CO
Einst wurden in dem Backsteinhäuschen am alten Georgen-Parochial-Friedhof Blumen verkauft. Jetzt duftet es in diesem liebevoll gestalteten Café nach böhmischen Backwaren, die ihr sonst nirgendwo in Berlin finden werdet. Sowohl das leckere Hefegebäck als auch das Café selbst tragen die Handschrift von Anna Marte. Die aus Prag stammende Architektin hat das Häuschen aus den 1930er Jahren renoviert und zu einem der liebenswertesten Cafés der Stadt umgestaltet, dem Café Nonna, benannt nach ihrer Großmutter – von der übrigens nicht nur die Rezepte stammen sondern auch einige der Kunstwerke, die das hübsche Café schmücken.
Tipp: Einmal im Monat lädt das Café Nonna zu Pop-up Abenden und Veranstaltungen, etwa dem Deutsch-Tschechischen Pup-Quiz. Außerdem könnt ihr das Nonna für eure eigene Veranstaltung mieten.
Wann: Montag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag 9 – 17 Uhr, Samstag & Sonntag 10 – 17 Uhr, Dienstags geschlossen
Wo: Café Nonna auf dem Georgen-Parochial Friedhof, Greifswalder Straße 229, Prenzlauer Berg
Tipp 3: Genießt die Atmosphäre im Café Friedberg (ehemals Café Strauss)
Nur ein paar Schritte vom belebten Bergmannkiez entfernt, empfängt euch das Café Friedberg mit friedvoller Atmosphäre und einer großen Sonnen-Terrasse. Betretet ihr das von außen eher unscheinbare Backsteingebäude werdet ihr von großzügigen Gewölbebögen und einer stilvollen Einrichtung überrascht, die das Café Friedberg zu einem echten Jewel machen. Es duftet nach frischen Waffeln und die Glasvitrine birst vor leckeren Kuchen und Torten.
Nach dem Kaffee lohnt ein Spaziergang über das Friedhofsgelände an der Bergmannstraße, das ausgehend vom Café Friedberg am Friedrichswerderschen Friedhof mehrere zusammenhängende Friedhöfe umfasst. Auch hier ruhen so einige berühmte Berliner:innen , etwa der Arzt Johann Friedrich Diffenbach, der Komponist Eduard Grell oder der Reichskanzler und Außenminister Gustav Stresemann.
Wann: Montag bis Donnerstag 11 – 17 Uhr, Freitag bis Sonntag 11 – 18 Uhr
Wo: Café Friedberg, Bergmannstraße 42, Kreuzberg
Tipp 4: Findet ein ruhiges Plätzchen in der Kaffeebar Jacobi
Von der Sonnenterrasse hinter dem Café schaut ihr direkt auf das verwunschene Friedhofsgelände: Die Mischung aus roten Sonnenschirmen und altehrwürdigen Grabsteinen machen dieses Café auf dem St.-Jacobi-Friedhof direkt am Hermannplatz lassen einen unweigerlich darüber sinnieren, wie nah doch Leben und Tod zusammen liegen.
Direkt am U-Bahnhof Hermannplatz, an dem sonst vor allem Dönerbuden das Angebot bestimmen, ist die Kaffeebar Jacobi mit seinem hübschen Kolonnaden-Gebäude eine beliebte Alternative. Auf der Karte stehen Kuchen, Panini, Croissants und natürlich leckerer Kaffee.
Wann: täglich 10 – 18 Uhr
Wo: Kaffeebar Jacobi, Karl-Marx-Straße 4, Alter St. Jacobi Friedhof, Neukölln
Tipp 5: Plant einen Wochenendbrunch im 21gramm
Am anderen Ende der belebten Hermannstraße verbirgt sich hinter roten Backsteinmauern eine weitere ungewöhnliche Frühstücksadresse, in der ihr Trubel Neuköllns schnell hinter euch lasst. Im 21gramm bruncht ihr stilvoll unter den hohen Kuppeln einer ehemaligen Friedhofskapelle in ruhiger Atmosphäre. Bis in den Nachmittag hinein könnt ihr hier opulent brunchen. Zu Pancake-Stapeln, duftenden Waffeln und Paninis wird wirklich sehr guter Kaffee serviert.
Und im Sommer lädt die Terrasse zwischen Klinkermauern und wildem Wein. Der Name geht auf ein Experiment aus dem Jahr 1907 zurück, nach dem die menschliche Seele 21 Gramm wiegen soll, eine passende Referenz für diesen besonderen Ort.
Wann: Dienstag bis Sonntag, 10 – 17 Uhr, zum Wochenendbrunch vorab reservieren
Wo: 21gramm, Hermannstraße 179, St. Thomas-Kirchhof, Neukölln
Tipp 6: Entdeckt das MARS im silent green Kulturquartier
Vor allem abends leuchtet es einladend hinter den großen Fensterscheiben des Café Mars. Aber auch tagsüber ist das Café | Restaurant, das etwas verborgen im Seitenflügel des zum Kulturquartier umgestalteten Krematoriums Wedding liegt, ein freundlicher, heller Ort. Hier sitzt ihr an langen Holztischen oder in gemütlichen Nischen, perfekt für ein ausgedehntes Brunch am Wochenende mit Blick ins Grüne. An den Abenden und zu den Veranstaltungen des silent green Kulturquartiers lädt das Mars zu Drinks und abgestimmter Abendkarte.
Wenn ihr nicht so viel Zeit mitgebracht habt, könnt ihr euch direkt im Pförtnerhäuschen schnell Kaffee und Kuchen holen. Das Little Mars hat auch frische Säfte, Smoothies und Sandwiches im Angebot. Setzt euch an einen der Bistrotische oder sucht euch ein sonniges Plätzchen auf der Wiese.
Wann:
MARS | Küche & Bar: Montag bis Freitag: 12 – 18 Uhr (Lunch bis 15 Uhr), Dinner Montag bis Samstag 17.30 – 21 Uhr (Drinks bis 22 Uhr), Wochenende 10 – 18 Uhr (Brunch bis 14.30 Uhr)
Little MARS: täglich 12–18:30 Uhr (je nach Wetter)
Wo: Mars, Gerichtstraße 35, Wedding
Tipp 7: Verabredet euch im Garten des Pandora Cafés
Das Pandora ist kein Friedhofscafé per se, dafür aber ein ganz besonderes Kirchencafé, queerfreundlich und offen. Ein Ort, der einfach zum Wohfühlen einlädt. Sobald die mit Blumen geschmückten Bistrotische auf dem Vorplatz der Heilig-Kreuz-Kirche stehen, ist geöffnet. Innen locken pinkes Licht plus Discokugel und Flamingo-Lampe an der Theke.
Aber nicht nur mit dem Interieur haben die beiden Pächter Falk und Peter dem Pandora ihren eigenen Stil gegeben. Der Kaffee wird in einer kleinen Berliner Rösterei schokoladig geröstet und Kuchen gibt es von Bracomi‘s. Fühlt euch eingeladen, auch die Kirche selbst zu erkunden, ein neogotischer Backsteinbau, der später um eine modernen Stahl-Glas-Konstruktion erweitert wurde, die Sitzflächen mit gemütlichen Beanbags im Emporenbereich öffnet. Perfekt, um gemütlich einem Orgelkonzert zu lauschen. Ein echtes Schmuckstück ist der Gartenbereich mit kleinem Wasserfall.
Wann: Mittwoch bis Sonntag 15 – 21 Uhr
Wo: Pandora Café, Heiligh-Kreuz-Kirche, Zossener Straße 65, Kreuzberg
Tipp 8: Werdet aktiv in der Publix Kantine in Berlin
Und noch ein ungewöhnlicher Ort liegt direkt an der Hermannstraße in Neukölln: das Publix. Draußen spannen sich rote Sonnenschirme auf, die Terrasse geht nahtlos in den alten St. Thomas Friedhof über und drinnen sitzen Journalist:innen an Laptops, mit Blick auf Grabsteine und alte Bäume.
Eigentlich versteht sich das Publix als Haus für Journalismus und Öffentlichkeit, doch zumindest im Erdgeschoss ist es offen für alle. Die Kantine hat sich schnell zum Treffpunkt entwickelt, als Lunch-Spot, aber auch als gemeinsamer Arbeitsplatz für Medieninitiativen, Recherchekollektive und Menschen aus dem Kiez. Man kommt für Kaffee oder Mittagessen und bleibt oft länger, weil hier Ideen, Debatten und Projekte entstehen.
Der Standort ist übrigens kein Zufall: Für das Projekt wurde deutschlandweit gesucht, bis man sich für das Gelände am Rand des ehemaligen Friedhofs entschied, das unweit der Urban-Gardening-Fläche der Prinzessinnengärten liegt und heute wie selbstverständlich eine Verbindung zwischen Arbeitsort, öffentlichem Raum und Rückzugsort für das Neuköllner Publikum bietet.
Tipp: Macht nach dem Kaffee einen Spaziergang über den am Friedhof und lauft dann einfach den grünen Pfad weiter bis zum Tempelhofer Feld. Ein echtes Berlin-Abenteuer.
Wann: Montag bis Freitag, 8 – 17 Uhr (Lunch 12 – 14.30 Uhr)
Wo: Publix, Hermanstraße 90, Neukölln
Tipp 9: Findet Gemeinschaft bei der Startbahn in der Genezarethkirche
Ein weiterer Ort, an dem ihr in Neukölln verweilen könnt ist die Startbahn in der Genezarethkirche. Unter der Woche könnt ihr einfach vorbeikommen, euch einen Platz suchen und die Kirche so nutzen, wie ihr sie gerade braucht, zum Arbeiten, Lesen, Ausruhen oder für eine kurze Pause im Alltag. Auf den Emporen gibt es Rückzugsorte, unten bleibt Raum für Begegnung, auch Familien mit Kindern sind ausdrücklich willkommen.
WLAN und Steckdosen machen den Raum alltagstauglich, Kaffee holt ihr euch nebenan im Café La Maison und nehmt ihn einfach mit hinein. So entsteht eine Mischung aus Kirchenraum, Arbeitsort und Treffpunkt im Kiez.
Neben dem offenen Betrieb gibt es regelmäßig Ausstellungen, Konzerte, Workshops oder Ecstatic Dance-Abende. Außerdem könnt ihr den Raum auch für eigene Projekte oder besondere Anlässe nutzen.
Wann: Montag bis Freitag 10 – 17 Uhr
Wo: Startbahn Berlin, Genezarethkirche, Herrfurthplatz, Neukölln
Tipp 10: Lisbeth LISBETH | Kultur Büro Elisabeth – aktuell geschlossen
Das Café Lisbeth gehört zu den neueren Friedhofscafés in Berlin und wird in kirchlicher Trägerschaft betrieben. Auch wenn es derzeit geschlossen ist, lohnt es sich, diesen Ort im Hinterkopf zu behalten.
Die Gestaltung ist bewusst schlicht gehalten. Einzelne Kirchenbänke ergänzen die zurückhaltende Möblierung und dezente Kunst setzt Akzente, die zum Innehalten einladen. Über den reinen Cafébetrieb hinaus wird das Café Lisbeth auch für Veranstaltungen genutzt. Ebenso wie die fußläufige Villa Elisabeth (Bild).
Wann: aktuell geschlossen
Wo: Café Lisbeth, Bergstraße 29, auf dem Friedhof Sophien II, Mitte
Tipp 11: Schaut euch Kunst an in der St. Elisabeth-Kirche
Auch die St. Elisabeth-Kirche ist kein klassischer Kirchenraum mehr, sondern ein offener Ort für Kunst, Musik und Experimente. Wie das Café Lisbeth gehört die Kirche zur evangelischen Kirchengemeinde Am Weinberg – und ist Teil der Himmlischen Räume, einem Berliner Netzwerk von Veranstaltungskirchen.
Errichtet wurde die St. Elisabeth-Kirche 1835 nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel im Auftrag von König Friedrich Wilhelm III. Nach einem Brand im Jahr 1945 blieb die Kirche jahrzehntelang Ruine, bis sie ab den 1990er Jahren wieder aufgebaut wurde. Heute wird sie gemeinsam mit der benachbarten Villa Elisabeth als kultureller Veranstaltungsort genutzt.
Das Programm reicht von Alter Musik bis zu Klangkunst, von Tanz und Performances bis zu Ausstellungen und genreübergreifenden Projekten. Und auch draußen lohnt es sich zu bleiben: Im denkmalgeschützten Kirchpark rund um die Kirche findet ihr einen ruhigen, grünen Rückzugsort vom Trubel der Stadt.
Wann: je nach Veranstaltung
Wo: St. Elisabeth-Kirche, Invalidenstraße 3, Mitte
