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Stadtschloss in Berlin mit Humboldtforum. Noch als Baustelle.
Stadtschloss in Berlin mit Humboldtforum © visitBerlin, Foto: Mike Auerbach

Humboldtforum / Berliner Stadtschloss

Ein Schloss für Berlin, ein Forum für die Welt

Derzeit entsteht wieder ein Schloss im Herzen der Stadt, nicht als Sitz für Könige und Kaiser – sondern als Museum für die ganze Welt und die Vielfalt ihrer Kulturen.

Eine wütende Menschenmenge mit Äxten und Hacken versammelt sich, laute Rufe erklingen, dann zerstört die Menge die Stauwehr. Wassermassen fluten den Schlossplatz. Der Berliner Unwille von 1448 richtet sich gegen den Schlossbau, den ihr Lehnsherr Kurfürst Friedrich II, genannt "Eisenzahn" dort plant. Letztendlich scheitert der Aufstand, Eisenzahn baut sein Schloss. Doch der Geist des Berliner Unwillens ist bis heute lebendig.

Bis heute ist Berlin die Stadt der Freiheit, die Stadt, die ihren Bürgern Freiräume für alle Lebensentwürfe verspricht und dafür in der ganzen Welt bekannt ist. Und wie kein anderes Gebäude ist das Berliner Schloss mit der Geschichte der Stadt verknüpft.

Derzeit entsteht wieder ein Schloss im Herzen der Stadt, diesmal im Geiste der Freiheit, nicht als Sitz für Könige und Kaiser – sondern als Museum für die ganze Welt und die Vielfalt ihrer Kulturen, das Humboldt Forum. Ein Jahrhundertprojekt entsteht gerade auf dem Schlossplatz in Berlin-Mitte. 2002 beschloss der Deutsche Bundestag, das Berliner Schloss in den Ausmaßen des Hohenzollern-Schlosses mit drei historischen Fassaden und dem Schlüterhof wieder neu zu errichten. 2013 fand die Grundsteinlegung für das neue Gebäude statt, in welches das Humboldt Forum einziehen wird.

Geschichte des Berliner Schlosses

Die Markgrafen und Kurfürsten bauen im 15. Jahrhundert eine Zwingburg auf die Spreeinsel in Alt-Cölln – trotz aller Proteste. Im 16. Jahrhundert wird die Burg abgetragen und durch einen Schlossbau ersetzt. Das Schloss ist nicht nur Sitz der Hohenzollern und Residenzschloss preußischer Könige und deutscher Kaiser. Vor dem Schloss bricht auch die Märzrevolution von 1848 aus, Kaiser Wilhelm II. stimmt hier die Berliner auf den Krieg ein, und Karl Liebknecht rief vom Balkon des Schlosses die "freie sozialistische Republik Deutschland" aus.

Sprengung des Stadtschlosses

Obwohl das Berliner Stadtschloss im Zweiten Weltkrieg schwer durch Bombenangriffe beschädigt wird, ist es nicht einsturzgefährdet. Dennoch entscheidet die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) auf ihrem III. Parteitag auf Geheiß des Generalsekretärs Walter Ulbricht, das Schloss zu sprengen. Trotz aller Proteste, die auf den architektonischen und historischen Wert als ein Hauptwerk des norddeutschen Barock verweisen, rückt das Sprengkommando schon einen Tag später am 7. September 1950 an. Nur das Portal IV mit dem Balkon, auf dem Karl Liebknecht einst stand, bleibt erhalten und wird in die Fassade des neu errichteten Staatsratgebäudes eingefügt.

Anstelle des Schlosses entsteht der Palast der Republik als Sitz der Volkskammer und Kulturhaus mit Bühnen, Restaurants und Bowlingbahn. Nach  Mauerfall und Wiedervereinigung wird der asbestbelastete Palast der Republik 2008 abgerissen.

Neubau des Berliner Schlosses

Die Entscheidung, den Palast der Republik abzureißen und das Schloss wieder zu errichten, löst zunächst hitzige Diskussionen aus. Architekt Franco Stella erhält den Zuschlag für den Wiederaufbau des Schlosses mit der Rekonstruktion der  barocken Fassaden. 2019 soll der Schlossbau fertig sein.

Das Humboldt Forum im Berliner Schloss

In das Schloss soll das Humboldt Forum einziehen. Geplant ist ein Ort der Weltkulturen in all ihrer Vielfalt. Das Forum wird vorwiegend von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz genutzt werden. Sie zeigen ihre ethnologischen und außereuropäischen Sammlungen. Prof. Dr. Hermann Parzinger (Stiftungspräsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz) fasst die Pläne im August 2017 in der Berliner Morgenpost so zusammen: "Das Humboldt Forum ist ein Ort, der sich auf der Basis der Neupräsentation der außereuropäischen Sammlungen (...) mit der Welt auseinandersetzen möchte, die heutige Welt verständlich machen, aktuelle Probleme in ihrer historischen Dimension erläutern möchte, sodass dank vieler zusätzlicher Veranstaltungen ein Kultur- und Bürgerzentrum entsteht. Wir wollen einen Dialog mit der Welt entwickeln."

Humboldt-Box

Im  Informationszentrum Humboldt-Box gibt Ihnen eine spannende Ausstellung Einblicke und Ausblicke auf das große Kulturbauvorhaben. Von der Dachterrasse des fünfstöckigen temporären Gebäudes bietet sich Ihnen ein optimaler Blick aus 22 Metern Höhe direkt auf die Bauarbeiten am Schloss. Einen historischen Abriss über die Ereignisse von den Anfängen der Hohenzollernresidenz bis zum Palast der Republik können Sie hier ebenso lesen.

Freier Eintritt

Öffnungszeiten HumboldtBox
1. April bis 30. November: 10-19 Uhr.
1. Dezember bis 31. März: 10-18 Uhr.

Webcam zeigt die Bauarbeiten

Wer sich für den Fortschritt der Bauarbeiten interessiert, kann ihn per Webcam verfolgen. Drei Kameras zeigen auf die Ost-, die West- und die Südfassaden des Gebäudes und werden alle 15 Minuten aktualisiert. Zeitrafferfilme ergänzen das Angebot.

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