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Ein Hurenritt durch die Geschichte

In der neuen Sonderausstellung im Schwulen Museum kommen Sexarbeiter:innen zu Wort. Die Geschichte der Sexarbeit wurde bislang, wenn überhaupt, vor allem von ihren Regulierern und Unterdrückern geschrieben. Auch das akademische Wissen darüber ist größtenteils voreingenommen oder unzutreffend.

"With Legs Wide Open" erzählt nun die Geschichte der Sexarbeit aus der Sicht der Betroffenen.



Im öffentlichen Reden über Sexarbeit gibt es viele Meinungen, aber wenig Informationen.

„With Legs Wide Open – Ein Hurenritt durch die Geschichte“ erzählt von Sexarbeit aus der Perspektive derjenigen, die wissen, worum es geht. Ein Kollektiv aus Sexarbeiter*innen hat aus Archivmaterial, Oral History und künstlerischen Interventionen eine Berlin-Geschichte aus Hurenperspektive kuratiert.

Die Leitidee: Nichts über uns ohne uns.

Sexarbeits-Geschichte wird in der Ausstellung als „Whorestory“ definiert, als kritische Auseinandersetzung mit institutioneller Abwertung, Regulierung und Überwachung, aber auch als Sichtbarmachung neuer Facetten der Sexarbeits-Kultur durch alle Zeiten hindurch, vom Mittelalter bis zum gegenwärtigen Aktivismus, die im historischen Diskurs über „abweichende Sexualität“ und in aktuellen Phänomenen wie Hurenpässen und Sexkaufverboten ignoriert werden.

Die Communities von Sexarbeiter*innen und queeren Menschen sind eng miteinander verbunden.
Sexarbeit hat mit Formen der Sexualität und Arbeitspraxis zu tun, die außerhalb der heteronormativen Familie und reproduktiver Arbeit stehen, weshalb in der Sexarbeits- und in der queeren Kultur gleichermaßen eine besondere Aufmerksamkeit für die soziale Konstruktion von Geschlecht und Sexualität herrscht.

Das im ‚Rotlichtviertel‘ Bülowkiez gelegene Schwule Museum gründet deshalb für die Dauer der Ausstellung eine fiktive Institution, ein lebendiges, erotisches, magisches, witziges und zutiefst politisches „Museum der Sexarbeit“.

Dieses Museum hat verschiedenen Abteilungen, unter anderem ein Arzneimittelkabinett, eine Garderobe, eine Beschwerdestelle, eine Gesundheitsabteilung, eine Stabsstelle für die Rückeroberung des öffentlichen Raums, ein Vernichtungsdezernat, eine Abteilung für horizontale Arbeit und eine Kapelle. Was in diesen Abteilungen zusammengetragen wurde, ergibt keinen chronologischer Überblick über die Kulturgeschichte der Sexarbeit, sondern eine queere, spielerische, manchmal magische Verknüpfung von Dokumenten und Assoziationen – über alternatives Körperwissen, Arbeitsbedingungen, nicht-normative Sexualität, Ahnenverehrung, deutschen Bürokratiefetisch, kolonialistische und nationalsozialistische Verfremdung und Trauerarbeit.

Die künstlerische Arbeit „Red Light Utopia Quilt“ entwirft, wie ein Bordell in einer besseren Zukunft aussehen könnte, in dem STI-Tests immer kostenlos sind, der Tee immer heiß ist und Hurenpässe nicht mehr nötig sind.

Das Museum der Sexarbeit im Schwulen Museum schafft – mit weit geöffneten Beinen – einen besonderen und noch nie dagewesenen Ort, an dem sich Sexarbeit als Überlebenskunst präsentiert und für alle eine politische Vision entwirft.

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