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Iris Häussler begegnet Benjamine Kolbe

Benjamine Kolbe wurde im frühen 20. Jahrhundert als Frau an der Seite des Bildhauers Georg Kolbe bekannt. Die Ausstellung „Kein Mensch kennt mich“ nähert sich der Frage an, wer sie darüber hinaus war, was sie hätte sein können, welche Facetten ihrer Persönlichkeit Zeit ihres Lebens unentdeckt blieben.

Georg Kolbe, "Porträt Benjamine", 1903
Georg Kolbe, "Porträt Benjamine", 1903 © Bildarchiv Georg Kolbe Museum

„[…] kein Mensch kennt mich, nur du weißt wie ich bin, nur dir habe ich mich gegeben so wie ich bin, das brauchen andere Menschen auch nicht zu wissen“, gesteht Benjamine van der Meer de Walcheren (1881–1927) dem jungen Georg Kolbe (1877–1947) zu Beginn ihres Kennenlernens. Das intime Bekenntnis ist Zeugnis einer Verbundenheit, die über ihren frühen Tod hinaus fortdauern wird. Die junge holländische Opernschülerin und der am Beginn seiner Karriere stehende Bildhauer lernen sich 1901 in Bayreuth im Kreise der Familie Wagner kennen, sie heiraten 1902. Die Arbeit ihres Mannes bringt Benjamine Kolbe zunächst nach Leipzig und dann zu dritt, mit ihrer Tochter Leonore, nach Berlin. Vielfach finden ihre Gesichtszüge Eingang ins Werk Georg Kolbes und bezeugen ihre stete Präsenz in dessen Leben und über ihren Tod hinaus.

Kurz nach dem Tod Benjamine Kolbes lässt sich der Witwer mit seinem neuen Wohnatelier, dem heutigen Georg Kolbe Museum, 1928 einen Rückzugsort nahe ihres Grabes errichten. 2019 bringt ein Nachlassfund neben einigen Fotografien mehrere Hundert unbekannte Briefe von Benjamine zum Vorschein und ermöglicht erstmals die gänzlich neue Betrachtung einer Person, die bisher hinter der des Künstlers Georg Kolbe verborgen blieb. Nun ergänzt die eigene Stimme – das geschriebene Wort – einer Frau, die zwischen ihren Rollen als Musikerin, Ehefrau, Mutter, Muse oder Gesellschafterin navigierend sich selbst suchte, die Erzählung ihres Lebens in einer Zeit historischen Umbruchs. Die Rekonstruktion ihrer Biografie lässt zugleich Lücken und schafft damit Raum für Imaginattion.

Iris Häussler: „If“ – unvorhergesehene Begegnung

Die in Toronto, Kanada, lebende Künstlerin Iris Häussler (geb. 1962) nutzt die Frageräume, die sich aus der neuen Rekonstruktion der Biografie Benjamine Kolbes eröffnen, um eine Begegnung des Ehepaars Kolbe mit zweien ihrer fiktiven Charaktere zu inszenieren: Die Geschichte der französischen Malerin Sophie La Rosière (1867–1948) und dem Aktmodell Florence Hasard (1882–?), die ihre Geliebte und selbst Künstlerin ist, wird in der Ausstellung greifbar.

Die Installation „If“ (2021) geht auf Häusslers profunde Recherchearbeit zum Kunstschaffen von Frauen im frühen 20. Jahrhundert zurück. Durch die Gegenüberstellung ihrer Geschichtserzählung mit historischem Material aus dem Archiv des Georg Kolbe Museums thematisiert die Ausstellung das Wesen des Erinnerns, Bewahrens und Erzählens menschlicher Biografien. Die Zusammenkunft von historischen und erdachten Figuren, von künstlerischer Fiktion und kunsthistorischer Forschungsarbeit ermöglicht eine spielerische Annäherung an Formen von Geschichtsschreibung.

Die Arbeit von Iris Häussler stellt überdies die Frage nach weiblicher Selbstbestimmung und -behauptung im zeitlichen Kontext der frühen Moderne. Die imaginierte Überschneidung der Lebenswege von Benjamine Kolbe und Häusslers „Kunstfiguren“ verlebendigt nicht nur die einzelnen Charaktere, sondern fordert Besucher*innen heraus, sich in eine Geschichte hineinzubegeben, in der die Grenzen zwischen Realität und Fiktion mitunter verschwimmen.

Kuratorinnen: Dr. Sintje Guericke und Dr. Marlene Gunia.
Zusätzliche Informationen
Preis: 7,00 €

Ermäßigter Preis: 5,00 €

Informationen zum ermäßigten Preis: Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre und Mitglieder des Freundeskreises haben freien Eintritt.
Termine
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Georg-Kolbe-Museum
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