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Die kaiserliche Familie sitzt am 15. Juni 1913 auf den Stufen des Neuen Palais
Die kaiserliche Familie sitzt am 15. Juni 1913 auf den Stufen des Neuen Palais © SPSG / Wilhelm von Niederastroth, Atelier Selle und Kuntze
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Kaiserdämmerung

Das Neue Palais zwischen Monarchie und Republik 1918–1927

DER KONTEXT

Mit dem Ende der preußischen Monarchie im November 1918 begann ein mehrjähriger Prozess, in dem das Vermögen des vormaligen Königshauses von dem des Staates getrennt wurde.

Adresse

Neues Palais - Potsdam

Am Neuen Palais 14469  Potsdam


Die zentralen Punkte der Verhandlungen stellten die Zuordnung der Liegenschaften und Kunstwerke sowie die Auflösung des Hofstaats dar.
Kurz nach dem Erlass des darüber beschlossenen Gesetzes wurde am 1. April 1927 die „Preußische Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten“ gegründet, der die Musealisierung einer Vielzahl von Schlossanlagen zwischen Königsberg und Wiesbaden sowie zwischen Breslau und Koblenz oblag. Die Ausstellung „Kaiserdämmerung. Das Neue Palais zwischen Monarchie und Republik 1918–1927“ ruft am authentischen Ort diese wichtige öffentlich erlebbare Veränderung deutscher Geschichte – aus Herrschaftsschlössern wurden Museen für jedermann – in Erinnerung.
Auch während des Ersten Weltkrieges blieb das Neue Palais in Potsdam der bevorzugte Aufenthaltsort Wilhelms II. und seiner Ehefrau Auguste Victoria, der dann als ein Hauptschauplatz den Übergang von der Monarchie zur Republik in Folge der Novemberrevolution 1918 für jedermann sichtbar und erlebbar machte.
NEUES PALAIS – GESCHICHTE Das Neue Palais am westlichen Ende vom Park Sanssouci wurde zwischen 1765 und 1768 für Friedrich den Großen erbaut. Mit seinen über zehn großzügigen Appartements, den vier Festsälen und einem Theater diente es in erster Linie als Gästeschloss. Auch im 19. Jahrhundert war es Schauplatz großer Feste der Hohenzollern, bis es 1859 durch den späteren Kronprinzen Friedrich Wilhelm (1888 Kaiser Friedrich III.) und seiner Ehefrau Victoria zur Sommerresidenz ausgestattet wurde.
Deren Sohn, Wilhelm II., führte diese Nutzung fort. Ab 1889 hielt sich der kaiserliche Hof mehrere Monate im Jahr im Neuen Palais auf. Nebengebäude wie der Neue Marstall, eine Hofstation und ein Post- und Telegrafenamt wurden errichtet, die Schlossräume den modernen Anforderungen eines kaiserlichen Wohnsitzes angepasst und ausgebaut sowie zahlreiche technische Einrichtungen eingebracht. Aus dem Rokokoschloss des 18. Jahrhunderts entstand ein residenzähnlicher Wohnsitz, der allen Bequemlichkeiten der frühen Moderne gerecht wurde: mit Elektrizität, einem unterirdischen Gang, Zentralheizung, über vierzig Badezimmern und Toiletten mit fließendem Wasser sowie einem Fahrstuhl. Unmittelbar nach dem Auszug der kaiserlichen Familie und ihrer Hofhaltung nahmen sich Kunsthistoriker des Gebäudes an und begannen die Lebenswelt Wilhelms II., seiner Familie und seines Hofes, soweit diese in der mobilen Ausstattung sichtbar und erfahrbar war, zu eliminieren. Nichts sollte mehr an den Kaiser und den mit ihm verbundenen verlorenen Weltkrieg erinnern. Man wollte an große, preußische, deutsche, ja europäische Vergangenheit anknüpfen: an Friedrich den Großen und seine Zeit, einen Herrscher und eine Epoche, die von ganz Europa respektiert wurden.

DIE AUSSTELLUNG:  Inhalt der Ausstellung ist die Zeit des Übergangs, in denen das Kaiserreich aus den Angeln gehoben, die Republik aber noch nicht gefestigt war und der Weg zum Vertrag mit dem vormals regierenden Königshaus im Jahr 1927. In dieser Zeit wurde im Neuen Palais Wilhelm II. durch Friedrich II. ersetzt. Aus diesen Monaten haben sich viele aussagekräftige, schöne, sprechende Objekte erhalten. Wie erlebte die kaiserliche Familie die Novembertage 1918 im Neuen Palais? Wie veränderte der 9. November das Verhältnis von Personal und Herrschaft? Gab es revolutionäre Übergriffe auch in Potsdam? Wie wurde der Unterhalt des Schlosses neu organisiert? Dies sind nur einige der Fragen, auf die die Ausstellung anschauliche Antworten geben wird, denn Tagebucheinträge, Briefauszüge, Zitate aus Sitzungsprotokollen des preußischen Landtages sowie Zeitungsausschnitte vermitteln authentische Stimmungsbilder aus der kurzen Phase, in der Koffer gepackt, über Kunstwerke verhandelt und das Schloss neu organisiert werden musste.
Historische Fotografien, Leihgaben wichtiger Objekte und Kunstwerke bezeugen den Übergang, vor allem aber das Neue Palais selbst. Die Relikte der kaiserlichen Nutzung werden dort hervorgehoben oder erstmals gezeigt und ihre Bedeutung im Zusammenhang mit den Veränderungen 1918 kommentiert.

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