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„Sinthome“ ist ein psychoanalytischer Begriff, der ein psychotisches Subjekt bezeichnet, das eine persönliche Negation seines Zustands herstellt; es befreit sich auf idiosynkratische Weise von innen heraus, anstatt sich mit seinem Symptom als einem Problem der Realität auseinanderzusetzen.


Das „Sinthome“ ist eine Möglichkeit für das Subjekt, die Zwänge der Realität zu verlassen und die Welt durch ein persönliches Imaginäres stattfinden zu lassen. Mit anderen Worten: Für das sinthomatische Subjekt bestimmt die Karte das Territorium und nicht umgekehrt.

Die Ausstellung nimmt den Traum und seine Beziehung zur Künstlichkeit als Ausgangspunkt. Die zentrale Arbeit trägt den Titel „Synth-homme“ (random). „Synth“ bedeutet auf Französisch künstlich und „homme“ bedeutet Mensch. Als Lacan zum ersten Mal das Sinthome theoretisierte, bezog er sich auf dieses spezifische Sprachspiel: Die kreative Selbstbestimmung des Sinthomatischen ist auch die Produktion einer neuen und künstlichen Subjektivität.

„Synth-homme“ (randomized) ist ein Objekt, das aus 32 Spiegeln besteht, die in Form einer 8×4-Matrix angeordnet sind. Eine Reihe von Leuchtdioden wurde über die 32 Positionen verteilt, wobei jede Diode die Illusion einer dünnen und nach innen verschwindenden Linie ermöglicht. Die Matrixform selbst ist ein Eckpfeiler des mathematischen Gebiets der linearen Algebra und ein wesentlicher Bestandteil der algorithmischen Methoden, die in der Forschung zum maschinellen Lernen und zur künstlichen Intelligenz verwendet werden.

Um die Perspektive auf den Geist über den Begriff der mathematischen Form hinaus zu erweitern, zeigt die Ausstellung auch eine stumme Videoarbeit mit dem Titel „Sally and Anne“ und ein programmatisches Klangstück mit dem Titel „Mouth“. Das Video erzählt von einer Art psychologischem Test, mit dem drei- bis vierjährige Kinder auf das Fehlen dessen untersucht werden, was Psychologen als „Theorie des Geistes“ bezeichnen – die Fähigkeit, anderen geistige Zustände zuzuschreiben. Fehlt einem Kind eine solche Theorie, so lautet die gängige Schlussfolgerung, dass es nicht in der Lage sein wird, die grundlegende soziale Fähigkeit der Empathie zu entwickeln.

„Mouth“ hingegen hat keine Erzählung, sondern besteht nur aus Äußerungen und sprachähnlichen Lauten, die von einem Einplatinencomputer gestreamt werden, der ein digitales Modell verwendet, das aus asmr-Aufnahmen des eigenen Mundes der Künstler*in geklont wurde.

„Der Traum derjenigen, die träumen, betrifft diejenigen, die nicht träumen. Denn sobald jemand anderes träumt, besteht Gefahr. Die Träume der Menschen drohen, uns zu verschlingen; der Traum des anderen ist sehr gefährlich. Träume haben einen schrecklichen Machtwillen, und jeder ist ein Opfer der Träume der anderen. Selbst das anmutigste junge Mädchen ist eine schreckliche Verschlingerin, nicht wegen ihrer Seele, sondern wegen ihrer Träume. Hüte dich vor den Träumen der anderen, denn wenn du in den Träumen der anderen gefangen bist, bist du erledigt!“

— Gilles Deleuze über das Kino, Was ist der Schöpfungsakt? 1987

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