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Madame Tussauds in Berlin – alles echt?

Berlin WelcomeCard
Madame Tussauds Berlin © visitBerlin, Foto: Pierre Adenis

Madame Tussauds mit der Berlin WelcomeCard besuchen

Damals in Rom... Ob Augustus, Tiberius oder Claudius: Jeder römische Herrscher wachte mit Argusaugen über die Entstehung seines Abbildes und dabei wurde in puncto Körperwuchs und Schönheit reichlich getrickst. Römische Kaiser verewigten sich in lebensgroßen Statuen, um in der Öffentlichkeit Präsenz zu zeigen. Sah sich der Kaiser ideal dargestellt, wurde die Skulptur freigegeben und durfte in der Öffentlichkeit aufgestellt werden.

Heute in Berlin...

Ein Blick nach Berlin im September 2014: Heute nehme ich an einer Führung durch das Wachsfigurenkabinett Madame Tussauds teil. Besucher aus aller Welt scharen sich um die frei im Raum stehenden Berühmtheiten und gehen auf Tuchfühlung: Sie legen Obama die Hand auf die Schulter, setzen sich für ein Selfie zu George Clooney und versuchen lachend, Angela Merkels eigentlich unnachahmliche ‚Raute‘ nachzuahmen. Auch hier ist jede einzelne Figur von ihrem prominenten ‚Original‘ freigegeben worden. Doch läuft vieles ganz anders: Nicht die Ruhmreichen beschließen, sich in einer Wachsfigur zu verewigen, sondern es ist eine besondere Ehre, von Madame Tussauds dazu eingeladen zu werden. Und die ‚Aufnahmebedingungen‘ sind streng: Eine Persönlichkeit, die im Wachsfigurenkabinett ihren Platz findet, muss ein Stück Zeitgeschichte bewegt und mitgestaltet haben. Wie der immermuntere Thomas Gottschalk, der nunmehr seit 20 Jahren festes ‚Kabinettsmitglied‘ ist. Celebrities, die in der Gesellschaft vergleichsweise kurzlebige Emotionswellen produzieren, begegnen mir hier nicht: Cindy aus Marzahn, Daniela Katzenberger oder Eisbär Knut dürfen bei Madame nicht auf die Bühne.

Von der Schuhgröße bis zur Jacketkrone

Und noch etwas ist anders als im Alten Rom: Wer hier stehen darf, steht von der Schuhgröße bis zur Jacketkrone ‚haargenau‘ so da, wie er leibt und lebt. So mancher würde wie die antiken Größen gern mal  tricksen – vergeblich: Nicolas Sarkozy hätte es gefreut, sich ein Stückchen größer zu sehen, doch da blieb nur jene Lösung, mit der er sich auch persönlich abgefunden hat: hohe Absätze. Faszinierend, dieses Prinzip der ‚Echtheit‘, und Madame lässt es sich etwas kosten: Rund 200.000€ wird für die Anfertigung einer Wachsfigur gezahlt – von der Modellierung bis zum ‚Finishing‘ vergehen viele Arbeitswochen. Die Porenstruktur der Gesichtshaut, das entlegenste Muttermal, alles wird in minutiöser Feinarbeit nachgebildet. Das fordert die Spezialisten immer wieder heraus: Im Fußball-Bereich schreit uns Oliver Kahn auf Wunsch des temperamentvollen Originales wild an – da mussten dann auch jeder Zahn, die Zunge, die bis zu den Gaumenzäpfchen sichtbare Mundhöhle genau ‚gescannt‘ werden. Und die Haartolle von John F. Kennedy oder die stylischen Köpfe von ‚One Direction‘? Jedes Haar wird einzeln in die Kopfhaut eingestochen, damit Wirbel oder ‚schüttere‘ Stellen authentisch nachgebildet werden können. Und Frisuren ändern sich auch wieder: Helene Fischer bekommt gerade eine Langhaarfrisur, nachdem die Sängerin ihren kinnlangen Bob aufgegeben hat. Übrigens hat auch Angelina ihren Brad für ein paar Wochen Richtung Werkstatt verlassen, um in ein topaktuelles Kleid eingenäht zu werden.  

Der Blick in die Trikot-Hose

Überhaupt wird auch auf die Bekleidung größten Wert gelegt: Cristiano Ronaldo sucht persönlich die Unterwäsche für sein Double aus. Ein wichtiger Punkt, denn Fußballspielern wird von neugierigen Fans immer mal gern in die Trikot-Hose geschaut. Für Johannes Paul den Zweiten schickte der Vatikan sogar ein echtes Bekleidungsstück aus Rom.

Ein Stück Forschungsarbeit

Bei so hohen ‚Echtheits‘-Ansprüchen stehe ich etwas zweifelnd vor Anne Frank, die lächelnd vor ihrem Tagebuch sitzt: Wie getreu sind denn Nachbildungen von geschichtlichen Personen – wie ‚echt‘ können sie sein? Auch hier bleibt Madame Tussauds überraschend konsequent und leistet regelrechte Forschungsarbeit: Existieren nicht mindestens fünf authentische Schriftquellen und Bildmaterial zum Äußeren einer historischen Persönlichkeit, so bleibt ihr der Weg ins Kabinett verschlossen. Bei aller Gestik und Mimik der Figuren, beeindruckt mich doch am meisten das Geheimnis ihrer lebendigen Ausstrahlung: Die Augen aller Figuren schimmern feucht wie nach einem Wimpernschlag. Unsere antiken Freunde mussten da komplizierte Einlegearbeiten mit Stein und Glaspaste vornehmen, um den Blick des Jünglings von Marathon zum Leben zu erwecken. 2014 genügt eine feine glänzende Lasur, damit uns der forschend-ernste Blick eines Johnny Depp erreicht.

Dagmar von Schoenfeld

Dagmar

ist eigentlich Archäologin und hat in Mittelamerika auf den Maya-Stätten gearbeitet. Nach zehn Jahren hat sie dann die Welt der Maya gegen ein Leben in Berlin eingetauscht – und festgestellt, dass man auch hier spannende Feldforschung betreiben kann. Am meisten haben es ihr die kulturellen Schätze Berlins angetan. Ob allein oder mit ihren Kindern – sie liebt es, in der Stadt unterwegs zu sein, sich Zeit zu nehmen, genauer hinzuschauen und den einen oder anderen Stein dabei umzudrehen.

Kommentare

War schon 4 mal zu Besuch,immer wieder Intressant,weil immer was neues dazukommt !!

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