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Im Depot des DHM – ein Blick hinter die Kulissen

Zeughaus Unter den Linden in Berlin
Deutsches Historisches Museum - Zeughaus © visitberlin, Foto: Wolfgang Scholvien

Das ist also das Depot des Deutschen Historischen Museums... Eigentlich hatte ich eine riesige Lagerhalle mit tausenden Exponaten erwartet. Stattdessen stehe ich nun vor der ehemaligen Friedrich-Engels-Kaserne am Kupfergaben in Mitte. Zusammen mit anderen Bloggern und Siegern eines Gewinnspiels begebe ich mich auf die Reise durch das Depot. Ich bin gespannt!

Von Feldpost, Fälschungen und Verlegtem

Los geht's in der Dokumentensammlung II, die Papiere von 1914 bis heute beinhaltet. Tausende Exponate gibt es allein in diesem Bereich. Um genau zu sein, 160.000 und jährlich kommen 3.000 bis 4.000 neue dazu. Und ich dachte immer, ich hätte zu Hause viel Papierkram! (Die Dokumentensammlung I vom Mittelalter bis 1914 umfasst nebenbei bemerkt weitere 60.000 bis 70.000 Elemente.) Gesammelt wird hier alles, was später einmal von Bedeutung sein könnte. Das Cover des "Spiegels" zum Beispiel, für das Inlay gibt es leider keinen Platz. "Heute sammeln für Morgen" ist das Motto. Auf dem Fußboden entdecke ich eine große Holzkiste voll mit Briefen. Sie ist der größte Schatz der Dokumentensammlung II: eine Feldpostkiste mit über 3.000 Briefen eines Pärchens im 1. Weltkrieg. Er - Soldat an der Front, sie - zurückgeblieben am Kurfürstendamm. Ihre Briefe beinhalten den Alltag, ihre Gedanken und Wünsche - sexuelle Fantasien inklusive. Zum Stöbern bleibt leider keine Zeit, weitere interessante Informationen und Fundstücke warten auf uns.

Arnulf Scriba, Abteilungsdirektor der Sammlungen, erzählt uns, woher die Dokumente stammen - aus dem Bestand des Museums für Deutsche Geschichte, das 1990 im DHM aufging, aber auch aus Ankäufen und Schenkungen. Fälschungen, vor allem aus der Zeit des Nationalsozialismus, werden auch immer wieder an das DHM herangetragen. Bei der Menge an Dokumenten muss natürlich mit großer Sorgfalt gearbeitet werden. Flugblätter aus der Weimarer Republik zum Beispiel liegen einzeln in Hüllen verpackt in einer Mappe, die in einer der unzähligen Schrankschubladen verschwindet. Einmal falsch einsortiert kann sie auf Jahre verschwunden sein - bis man sie eines Tages durch Zufall wiederfindet! Kuriosum 1: Eine Mitarbeiterin ist ausschließlich für die Inventarisierung von Flugblättern zuständig.

Zu Besuch in den Restaurierungswerkstätten

Bis heute habe ich mir nie Gedanken darüber gemacht, was alles restauriert werden kann - und im Museumsalltag auch muss. Ich staune nicht schlecht: Das DHM restauriert neben Gemälden und Plakaten auch Textilien, Glas und Keramik, Holz und sogar Metall. Die Restaurateure kommen dann zum Einsatz, wenn ein Objekt neu in die Sammlung kommt oder für eine Ausstellung aufbereitet werden muss. Wenn ein Plakat dann in der Ausstellung hängt, hat es schon eine lange Reise hinter sich: Das Arbeitsspektrum reicht von der Reinigung und Entsäuerung bis zur Schädlingsbekämpfung, Korrektur von Fehlstellen und Farben und Schließung von Rissen. Da Plakate nicht auf Haltbarkeit ausgelegt sind, liefern die Restaurateure hier jeden Tag Hochleistungen ab. Jede Restaurierung wird zudem von einer ausführlichen Dokumentation begleitet: Was wurde wie und wann gemacht?

Kuriosum 2: Die Werkstatt der Plakatrestaurateure erinnert mich an eine Pathologie - geflieste Wände und Böden, große Metallwaschbecken und hell strahlende Lampen. Letzter Halt der Führung: Gemälderestaurierung. Hier stoßen wir auf ein Bild eines adligen Herrn. Als der Restaurator es zum ersten Mal sah, sagte er sich sofort: "Mit dem Bild stimmt etwas nicht." Kurzerhand wurde ein Röntgenbild angefertigt und der Kenner hatte Recht: Das Originalbild wurde teilweise übermalt! Damit sich das Bild besser verkaufen ließ, wurde die unförmige Nase des Herrn verkleinert. Sieh' an: Photoshop mal anders! Nun wird das Original wieder freigelegt. Aufwendige Restaurierungen stehen in diesen Räumen auf der Tagesordnung: Das Gemälde "Die Goldtochter" war stark beschädigt und wurde in liebevoller Kleinstarbeit – 3 Monate unter dem Mikroskop – wiederhergestellt. Nach über zwei Stunden im Depot bin ich geschafft, aber auch um viele Eindrücke und interessante Fakten reicher. Bei meinem nächsten Ausstellungsbesuch werde ich die Exponate mit anderen Augen sehen. Danke für den Blick hinter die Kulissen, DHM! Über das DHM Neben der Dauerausstellung zur deutschen Geschichte zeigt das DHM zurzeit die Ausstellungen "1945 - Niederlage. Befreiung. Neuanfang" (bis 25. Oktober), " Homosexualität_en" (bis 1. Dezember) und "Alltag Einheit - Porträt einer Übergangsgesellschaft" (bis 3. Januar 2016). Zur Langen Nacht der Museen am 29. August präsentiert das DHM verschiedene Veranstaltungen und Führungen.

Weitere Infos auf www.dhm.de.         

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