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Highlights aus 70 Jahren Berlinale

Unvergessliche Berlinale-Momente

Die erleuchtete Haus der Kulturen der Welt als Spielstätte bei der Berlinale
Die Berlinale im Haus der Kulturen der Welt © KARSTEN THIELKER

Eigentlich würde jetzt die Berlinale in ihre Schlussphase eintreten, die letzten beiden Tage noch Wettbewerbsfilme laufen, neue Bärenkanditen ausgerufen werden, bevor am Samstag dann in einer großen Gala die Gewinner der Internationalen Filmfestspiele verkündet und gefeiert werden. Doch dieses Jahr ist alles anders, das Publikumsfestival findet im Juni statt.

Um die Wartezeit ein wenig zu verkürzen und den Berlinale-Blues zu lindern, haben wir im visitBerlin-Blog diese Woche lang einen Schwerpunkt auf die Berlinale und die Berliner Kinolandschaft gesetzt. Deshalb blicken wir zurück auf 70 Jahre Berlinale, auf Filme, Stars, spannende Anekdoten, Skandale – und dazu ganz persönliche Highlights.

Kein Bär für niemanden

Berlinale
© Berlinale/Foto: Ali Ghandtschi

Internationale Filmfestspiele Berlin

1970 erlebte das Festival den wohl größten Skandal, der mit der Auflösung der Jury endete. Michael Verhoevens Vietnam-Film O.K. erzählt von der Vergewaltigung eines vietnamesischen Mädchens durch US-Soldaten. Die Jury wollte daraufhin den Film aus dem Programm nehmen, da er nicht der Festivalvorgabe von "besserem Verständnis zwischen den Völkern" entsprach. Es hagelte Proteste und Solidaritätsbekundungen mit dem Regisseur. Am Ende löste sich die Jury auf und vergab keinen Bären – zum einzigen Mal überhaupt. Im darauffolgenden Jahr wurde das Forum als neue Sektion für politisch engagierte und avantgardistische Filme gegründet.

Ein anderer Vietnamfilm löste 1979 den nächsten Skandal aus. Diesmal sahen die Ostblock-Länder die Völkerfreundschaft nach der Aufführung von The Deer Hunter verletzt und zogen empört ab.

Gina Lollobrigida ist wütend

Berlinale
© Credit: T.O.Pictures / Alamy Stock Photo

Ein weiter Skandal erschütterte 1986 das Festival. Der Film Stammheim über die RAF hatte schon im Vorfeld für Aufregung gesorgt und konnte nur unter Polizeischutz gezeigt werden. Bei der Preisverleihung passierte es dann: Die Jury zeichnete Stammheim mit dem goldenen Bären aus, doch Jurypräsidentin Gina Lollobrigida machte ihren Unmut Luft. Der „widerliche“ Film habe gegen ihren Willen gewonnen, verkündete sie sichtlich wütend und verstieß damit gegen ihre Schweigepflicht.

An diese haben sich zuvor und danach alle Jurymitglieder gehalten, so dass über mögliche weitere Diskussionen, Streitereien und Uneinigkeiten nichts mehr nach draußen dringt.

Shah Rukh Khan begeistert seine Fans

Berlinale
© KARSTEN THIELKER

Das hatte vor ihm keiner geschafft – weder Leonardo diCaprio noch George Clooney. Als die Berlinale 2008 den indischen Mega-Superstar Shah Rukh Khan mit seinem Film Om Shanti Om ankündigte, brach die Website der Berlinale zusammen. Die Fans campierten vor dem Kino International und harrten geduldig stundenlang aus. Und Shah Rukh Khan enttäuschte sie nicht, er ließ sich von der jubelnden Menschenmenge feiern, gab geduldig Autogramme, ließ sich vor und auch dem Film ewig Zeit, bis alle seine Fans glücklich nach Hause gehen konnten. Die Filmvorführung wurde zu einer gigantischen Party – ein Highlight, von dem alle bis heute schwärmen.

Später kam Shah Rukh Khan für My Name is Khan und Don 2 noch einmal zur Berlinale. Letzteren drehte er sogar in Berlin, und auch da wurde jeder seiner Auftritte zu einem begeisterten Fanfest.

Schräge Momente auf dem roten Teppich

Internationale Filmfestspiele Berlin
Auf dem roten Teppich vor dem Berlinale Palast © visitBerlin, Foto: Wolfgang Scholvien

Berlinale 2016

Andere Stars zeigten sich weit weniger zugänglich oder überraschten mit schräger Kleidung und bizarrem Verhalten. Unvergesslich sind die Auftritte der Schauspielerin Bai Ling, die in ihren knappen Outfits auf dem roten Teppich sehr viel Haut zeigte und so den Spitznamen „Berlinackte“ erhielt.
Sehr viel bedeckter zeigte sich Shia LaBeouf. Er erschien mit einer Papiertüte mit der Aufschritt „I am not famous anymore“ auf dem Kopf zur Premiere seines Filmes.  Zuvor hatte er bereits die Pressekonferenz einfach abgebrochen und somit Presse und Zuschauer gleichermaßen ratlos zurückgelassen. 

Die Berlinale ist eine Wundertüte

© ©2016 Scholvien

Die Filmauswahl ist bei der Berlinale natürlich immer eine Wundertüte, denn so wissen die Zuschauer oft nicht genau, was uns denn nun erwartet. Jeder wählt aus den rund 400 Filmen die aus, die vielversprechend klingen, sei es wegen des Genres, der Mitwirkenden, des Landes oder einfach auch, weil der Film noch in ein Zeitfenster passt.
Was auch immer das Publikum vom taiwanesischen Wettbewerbsfilm The Wayward Cloud erwartet haben mag, es bekam eine wilde Mischung aus schrillen Musicalnummern, trauriger Liebesgeschichte und expliziten Erotikszenen. So ging er mit dem Spitznamen „Das Melonenpornomusical“ in die Geschichte der schrägsten Berlinale-Filme ein – und wurde mit einem Silbernen Bären für Herausragende künstlerische Leistung ausgezeichnet.

Die Berlinaleschlange

Berlinale
Berlinale © KARSTEN THIELKER

Die Berlinale ist das größte Publikumsfestival überhaupt –  die Zuschauer geben dem Festival seinen einzigartigen Charakter. Das eigentliche Herz des Festivals ist die Berlinaleschlange, jene Zuschauer, die geduldig für Karten anstehen und auf die Tickets ihrer Wunschfilme hoffen. Die ersten eifrigen Berlinalegänger schlagen ihr Lager schon am Abend vorher vor den Kartenhäuschen auf, denn die begehrten Tickets sind schnell ausverkauft, zumal wenn es die Karten im Parkett und nicht die im 2. Rang sein sollen.

Am Morgen ist die Schlange dann gut gewachsen, nun planen alle nochmal ihre Filmauswahl für den Tag durch, tauschen sich aus, berichten von den Filmen, den man gesehen haben sollte, und von denen, die man lieber meiden sollte.

Hier ist in all den Jahren die Begeisterung dafür ungebrochen, zehn Tage im Kino zu verbringen, in neue Filmwelten einzutauchen und weitere unvergessliche Momente bei der Berlinale zu erleben.

Kristin Buller

Kristin

lächelt nur auf Fotos nicht. Ganz fröhlich ist sie im Berliner Kulturleben unterwegs und schreibt über die Kulturszene Berlin – die Großstadt vor und hinter den Kulissen. Ihre liebste Jahreszeit ist die Berlinale, dann sieht sie 10 Tage lang Filme und erzählt davon im Blog.

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