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Ein Film wird zur Legende

Die Legende von Paul und Paula

Sonnenuntergang in der Rummelsburger Bucht
© visitBerlin, Foto: Melanie Funke

Es ist ein lauer Frühlingsabend 1993 in Berlin, die Wiedervereinigung ist noch nicht lange her. Für beide Seiten des ehemals geteilten Deutschlands gibt es noch viel voneinander zu lernen und Neues zu entdecken. Filme, Bücher und Kunstwerke sind in der DDR oft der Zensur zum Opfer gefallen, im Giftschrank gelandet und harren nun der Wiederentdeckung.

Ein Film feiert Geburtstag

Freiluftkino Friedrichshain
© (c) visumate

Im Freilichtkino Friedrichshain beginnt an diesem Abend eine ganz besondere Filmvorführung: Es läuft der DEFA-Film „Die Legende von Paul und Paula“, der sein 20jähriges Jubiläum feiert.
Vor allem für zwei Menschen im Publikum ist es ein wichtiges Ereignis: Nebeneinander sitzen die Hauptdarsteller Angelica Domröse und Winfried Glatzeder in Publikum und schauen sich, gemeinsam mit über tausend Zuschauern, ihren mittlerweile zwanzigjährigen Erfolgsstreifen an. Lange war der Film in der Versenkung verschwunden, doch nun feiert er sein Comeback und wird ein zweites Mal zum Kultfilm.

Kino zu DDR-Zeiten: die DEFA

Kino International
Kino International © visitBerlin, Foto: Angela Kröll

Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg befürwortet die Sowjetische Militäradministration einen schnellen Beginn der ostdeutschen Filmproduktion. So gründet sich auf dem Terrain der sowjetischen Besatzungszone schon im Jahr 1946 die Deutsche Film AG (kurz DEFA). Es entstehen im Laufe der folgenden Jahre zahlreiche Filmproduktionen, immer im Spannungsfeld zwischen Zensur, Propaganda und dem Wunsch nach künstlerischer Freiheit und Auseinandersetzung mit den realen Problemen im sozialistischen Alltag. Filme wie „Das Kaninchen bin ich“, „Berlin um die Ecke“ und “Denk bloß nicht ich heule“ sind Beispiele für kritische Gegenwartsfilme.

Die Legende von Paul und Paula: Eine Erfolgsgeschichte

Kosmos Berlin
© visitBerlin, Foto: Angela Kröll

Den Zeiten etwas größerer künstlerischer Freiheiten folgt eine Phase der Zensur, als Honecker 1965 auf dem 11. Plenum mit den Gegenwartsfilmen abrechnet. Fast alle DEFA-Filme aus dem Jahr 1965 werden verboten.  
Das für die DEFA-Künstler zermürbende Auf und Ab bei kulturpolitischen Entscheidungen zeigt sich besonders bei dem größten Filmerfolg der 1970er Jahre in der DDR: „Die Legende von Paul und Paula“.

Heiner Carows Film nach dem Roman von Ulrich Plenzdorf ist eigentlich eine harmlose Liebesgeschichte – aber eben auch Ausdruck von Sehnsucht nach privatem Glück, unkonventioneller Freiheit und Selbstbestimmung. Die poetische Stimmung des Films, die Mischung von Realität und Traum, macht ihn jedoch zu einem Kunstwerk, das bis heute die Zuschauer in seinen Bann zieht. Erich Honecker persönlich verhilft dem Film am 29. März 1973 ins Kino – an den Bedenken der Parteimitglieder vorbei. Das begeisterte Publikum reagiert mit minutenlangem Applaus. Allein drei Millionen DDR-Bürger schauen die Romanze im ersten Jahr. Auch die Filmsongs der Puhdys Geh zu ihr und Wenn ein Mensch lebt werden zu Hits.

Der Film landet im Giftschrank

Kinoreihe
© Getty Images, Bild: Maksicfoto

Das jähe Ende des Paul und Paula-Kults kommt ganz in der Manier des SED-Regime: Als die gefeierte Hauptdarstellerin Angelica Domröse 1976 einen Protestbrief gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns unterschreibt, wird der Film sofort und für immer aus dem Fernsehprogramm der DDR verbannt.
Domröses steile Karriere stagniert und endet. Frustriert geht sie 1980 in den Westen, Winfried Glatzeder alias „Paul“ siedelt 1982 über.
1989 fällt mit der Berliner Mauer auch die Filmzensur und das Ende der DEFA wird eingeläutet. Viele der verbotenen Filme werden nun erstmals uraufgeführt oder feiern ihre Wiederentdeckung vor neuem Publikum. Und so auch Die Legende von Paul und Paula.

Auf den Spuren von Paula und Paula

Romantische Pause zweier Radfahrer am Rummelsburger See in Berlin
Uferpromenade am Rummelsburger See © visitBerlin, Foto: Dagmar Schwelle
  • Seit 1998 erinnert das „Paul- und Paula-Ufer“, ein Stück Uferweg am Rummelsburger See in Berlin, an den Film und die berühmte Fahrt auf dem bemalten Spreekahn.
  • Ein weiterer Drehort war der Plattenbau in der Singerstraße 51 in Friedrichshain
  • Die Premiere fand im Kosmos-Kino an der Karl-Marx-Allee statt, das heute ein Veranstaltungszentrum beherbergt

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