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Auf nach Westberlin

Ceckpoint Charly
© zeitort.de, Foto: Jürgen Hohmuth

check point charly in berlin

Für meinen nächsten Filterkaffee zieht es mich nach West-Berlin. Zwei Blocks südlich des Checkpoint Charlie hat Architekt Kai Bröer zusammen mit April Melnick, die ihr Barista-Handwerk in Portland erlernte, eine Kaffeebar eröffnet. Bereits am Ausgang des U-Bahnhofs Kochstraße fällt mir von weitem die riesige Fensterfront mit dem grüngelben Schriftzug ins Auge. Zwischen Ein-Euro-Shop und Antiquariat gelegen, sticht das helle, wie ein Museumscafé anmutende Westberlin deutlich hervor.

Es ist relativ leer und ich nehme an einem der weißen, runden Tische Platz. Auch wenn man sich hier ebenfalls hellen Röstungen und klassischem Filterkaffee verschrieben hat, Retro-Kaffeehaus-Charme, den ich zunächst vermutet hatte, versprüht das Westberlin nicht: Von der in einem warmen Grauton gespritzten Decke erhellen zahlreiche Strahler den in Weiß gehaltenen Raum. Eine Fachwerk-Konstruktion aus hellem Holz umspannt den Tresen. Neben den Kaffeeutensilien stehen hier himmlisch aussehende Kuchen- und Gebäckvariationen. Der Mediashop grenzt sich durch eine wandfüllende beleuchtete Fotografie von Boris Kralj ab, die eine schier endlose Hausfassade aus der Nachbarschaft zeigt. Und überall setzen kleine, gläserne Kugellampen farbige Akzente im Raum. Ich bin von der fein selektierten Auswahl an nationalen und internationalen Magazinen, die rund um die Themengebiete Architektur, Design, Mode und Kunst kreisen, so abgelenkt, dass ich ganz vergesse, ein Auge auf die Handwerkskunst des Baristas zu werfen.

Die Bohnen kommen jedenfalls extra aus Stockholm und werden eigens von der Berliner Rösterei Five Elephant veredelt. Das schmeckt mir, und ich stöbere weiter durch die auf dem riesigen Lesetisch ausliegenden Guides, Architekturführer, Romane und anderen schöne Dinge. Schließlich komme ich noch mit dem Geschäftsführer ins Gespräch: Es war die New Yorker „news BAR“ an der 18. Straße Ecke 5th Avenue, mit ihrer Kombination aus Kaffee, Bagels, Muffins und angesagten Magazinen, die für sein Café Pate stand. Mich begeistert die gelungene Umsetzung einer eigentlich recht naheliegenden Kombination. Ob es bei meinem morgigen Besuch in „The Barn“ auch etwas zu lesen gibt? Zumindest arbeiten sie dort mit der AeroPress. Ich bin gespannt!  

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