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4. Tag auf der Berlinale 2019

Der Vizepräsident kommt

Berlinale
© KARSTEN THIELKER

Internationale Filmfestspiele Berlin

Der Montag ist der Tag der zukünftigen Stars, denn die Berlinale präsentiert die Shootingstars, junge europäische Schauspieler mit großem Potential. In der Vergangenheit waren darunter Daniel Brühl, Daniel Craig, Alicia Vikander, Heike Makatsch. Matthias Schoenaerts und Rachel Weisz, die danach internationale Karrieren starteten.

Vice
Vice © Annapurna Pictures, LLC. All Rights Reserved

Und danach läuft “Vice“, der mit acht Nominierungen ins Oscarrennen geht, darunter auch Hauptdarsteller Christian Bale. Bale war bereits mehrmals auf der Berlinale, unter anderem mit dem unsäglichen „Flowers of War“ und dem prätentiösen  „Knights of Cup“. Aber „Vice“ ist sicher eines der Highlights in diesem Jahr.

The Operative

Kein Highlight war leider „The Operative“ mit Diane Kruger und Martin Freeman. Der Film dreht sich um eine Mossadagentin, die nach ihrer Operation im Iran aussteigen will. In verschachtelten Rückblenden erfahren wir von ihrem Einsatz, bei dem sie auf den Firmenbesitzer Fahrad angesetzt wird und eine Affäre mit ihm beginnt. Ihr Lenkungsoffizier Thomas (Martin Freeman) darf dazu lange Gespräche führen, um die Vergangenheit aufzurollen.

Dummerweise ist Folge „Spooks“ spannender als dieser Film, dessen Teheran verdächtig nach Leipzig aussieht. Auch strotzt der Film vor Unglaubwürdigkeiten. Setzt der Mossad wirklich unerfahrene Agentinnen ohne Kenntnisse der Landessprache getarnt als Sprachlehrerin ein? Und lässt sie als Frau dann alleine im Jeep durch die Wüste im Grenzgebiet fahren? 

Leider nutzt der Film auch nicht die Rückblendentechnik, um zu zeigen, dass die Geschichte vielleicht doch anders war, als sie Thomas erzählt. Und so versandet der Thriller leider in Langeweile. 

Une Colonie

Une colonie
Une colonie © Danny Taillon

Das es in der Sektion Generation zahlreiche Highlights zu entdecken gibt, hat sich schon lange auch unter den erwachsenen Festivalbesuchern rumgesprochen. Mit „Driveways“ und der „Une Colonie“ liefen gestern dann gleich zwei sehenswerte Filme.
Die zwöfjährige Mylia im kanadischen Film „Une Colonie“ sucht noch ihren Platz im Leben. In der neuen Schule ist sie eine Außenseiterin, Freunde hat das schüchterne Mädchen noch keine.  
Doch dann lernt sie Jimmy aus dem Abenaki Reservat kennen, der ihr zeigt, dass auch sie Linien überschreiten kann. Der Film beobachtet einfühlsam in warme Farben getaucht die zarte Liebe und die ersten Schritte in ein selbstbestimmtes Leben.Die Nöte des Teenagerseins vermittelt die junge Schauspielerin Émilie Bierres auf hervorragende Weise – ein Gesicht, dass man sich merken sollte.

Ganz bezaubernd ist auch der Film „Driveways“ über die Freundschaft zwischen dem achtjährigen Cody und dem altem Kriegsveteran (Brian Dennehy). Nach dem Tod ihrer Schwester muss Codys Mutter verkaufen. Entsetzt stellt sie fest, dass ihre Schwester als Einsiedlerin in einem völlig zugemüllten Haus lebte. Während sie versucht, das Haus zu räumen, freundet sich der schüchterne Cody mit dem knurrigen Nachbarn Del an. Die Figuren sind glaubwürdig gezeichnet, von der geschwätzigen Nachbarin bis zu Codys Mutter. Sie ist das realistisches Porträt einer allerziehenden Frau, die auch mal raucht und ein Bier trinkt, ohne als Rabenmutter abgestempelt zu werden.

Liebevoll zeichnet der Film die langsam entstehende unkonventionelle Freundschaft. Themen wie Einsamkeit im Alter, latenter Rassismus und Homophobie werden zwar gestreift, doch bewahrt er seine optimistische Grundhaltung.

Mid90s

Mid90s
Mid90s © 2018 Jayhawker Holdings

Das Regiedebüt des Schauspielers Jonah Hill ist eine Coming-of-Age-Geschichte, angesiedelt Mitte der Neunziger Jahre. Der Film ist eine Liebeserklärung an das Los Angeles der 90er und an das Skaten. Der dreizehnjährige Stevie, der von seinem älteren Bruder drangsaliert und geschlagen wird, findet Zugang zu der Clique aus dem Skaterladen. Er schließt sich den älteren Jungs an, lernt skaten und findet Zugang in eine neue Welt. Das Zeitkolorit ist mit viel Liebe zum Detail eingefangen. So ist das Zimmer von Stevies Bruder eingerichtet mit den angesagten CDS, Basecaps und natürlich Turnschuhen, ein Abziehbild der 90er. 

Erfreulicherweise vermeidet der Film die gängigen Klischees, so ist Stevie kein Wunderkind, das spielend skaten lernt und zum Star der Szene wird. Allerdings leuchtet nicht ganz ein, warum die älteren Jugendlichen sich einem viel jüngeren Kind, das nicht mal skaten kann, zuwenden und ihm viel Zuspruch geben.
Aber insgesamt ein sehr lohnenswerter Film mit schön fotografierten und gut gebauten Szenen – ein Highlight im Panorama.

 

Kristin Buller

Kristin

lächelt nur auf Fotos nicht. Ganz fröhlich ist sie im Berliner Kulturleben unterwegs und schreibt über die Kulturszene Berlin – die Großstadt vor und hinter den Kulissen. Ihre liebste Jahreszeit ist die Berlinale, dann sieht sie 10 Tage lang Filme und erzählt davon im Blog.

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