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1. Tag auf der Berlinale 2019

Standing Ovations für Dieter Kosslick

Berlinale
Roter Teppich vor dem Berlinale Palast i © KARSTEN THIELKER

Internationale Filmfestspiele Berlin

Mit einer launigen Hymne auf Dieter Kosslick eröffnete Anke Engelke zusammen mit Max Raabe die  festliche Gala. Neben den üblichen Witzeleien und Scherzen wurde es an diesem Abend immer wieder auch ein wenig wehmütig, ist es doch Dieter Kosslicks Abschiedsfestival. Und selbst die ewige Frohnatur Kosslick schien gerührt, vor allem als er und Anke Engelke in den Friedrichstadt-Palast zur Publikumsvorführung kamen und er mit Standing Ovations und lautem Applaus empfangen wurde. Viel Applaus gab’s dann auch für Lone Scherfig und Bill Nighy, die ebenfalls auf die Bühne kamen, um ihren Film „The Kindness of Strangers„ anzukündigen.
Und dann lief der Trailer mit dem Sternenregen und dem Berlinalebären – und somit haben sie dann endlich richtig angefangen – die 69. Internationalen Filmfestspiele Berlin.

The Kindness of Strangers

Kindness of Strangers
Kindness of Strangers © Per Arnesen

So schließt sich der Kreis: Lone Scherfig hat auf der ersten Berlinale von Dieter Kosslick  ihren Film „Italienisch für Anfänger „ vorgestellt, nun läuft ihr neuester Film auf seinem letzten Festival. So hat Kosslicks letzter Wettwerb mit „The Kindness of Strangers“ einen wahrhaft passenden Eröffnungsfilm gefunden.

Tatsächlich geht es um die Freundlichkeit von Fremden, die einander helfen und so die Welt zu einem besseren Ort – auch für sich selbst – machen. Da ist die junge Mutter, die mit ihren beiden Söhnen vor ihrem gewalttätigen Ehemann flieht und der die Obdachlosigkeit droht. Ihnen helfen die Krankenschwester Alice, welche sich für andere aufopfert und dabei selber emotional verkümmert, und der gerade aus dem Knast entlassene Restaurantchef Marc. Ihre Geschichten verflechten sich mit den anderer trauriger Existenzen wie dem ewig scheiterten Jeff, die irgendwann alle im dem russischen Restaurant vorbeikommen, das emotionale Zentrum des Filmes. Sein Besitzer ist der wunderbare Bill Nighy - mit üblicher Grandezza und pseudo-russischen Akzent.

Die Geschichten von einsamen Seelen in New York sind warmherzig, vielleicht ein wenig kitschig erzählt. Die Dialoge klingen manchmal gestelzt, und auch die Musik fließt zu üppig, aber dennoch ist der warme, gefühlvolle Film eine schöne Wahl zur Eröffnung gewesen.

Flatland

Flatland
Flatland © Flatland Productions

Der südafrikanische Film „Flatland“ der Regisseurin Jenna Bass hat die Sektion Panorama eröffnet. Der Film ist ein moderner Western, in dessen Mittelpunkt drei Frauen. Die naive Natalie flieht mit ihrem Pferd  in der Hochzeitsnacht vor ihrem aggressiven Mann erschießt und einen Priester. Gemeinsam mit ihrer hochschwangeren Freundin Poppy, die den Vaters ihres Kindes sucht, reitet sie durch die Halbwüste  Karoo.

Auf ihren Spuren ist die Polizistin Beauty Cuba mit Hang zu kitschigen Telenovelas und flauschigen Nikkis. Diese hat ein persönliches Interesse an der Aufklärung des Falles, hat sich doch ihr frisch aus dem Knast entlassener Ex-Freund schuldig bekannt. Alle drei Frauen leben in einer Umwelt, die von Aggressionen gegen Frauen wie vom immer noch präsenten  Rassismus geprägt ist. Die Männer in diesem Film sind schwache, brutale Charaktere, die nur mit Gewalt reagieren können. Und so bleibt es an den Freuen, einander bei zu stehen.

Dieter Kosslick hat ja als Motto der Berlinale „Das Private ist politisch“ genannt, das er sich von der Frauenbewegung entliehen hat. Nicht passt es so zur Retrospektive , sondern auch zu vielen anderen Filmen der Berlinale, die sich ja stets als politisches Festival versteht. Die Verzahnung von Privaten und Politischen zeigt sich in beiden Filmen, die einen politischen Subtext haben, ohne dass die Personen eine politische Haltung beziehen.

Mit dem Filmvorführungen war die Nacht natürlich noch lange nicht vorbei: Berlinale ist ja auch Partyzeit. Auf der Bulgariparty hieß es „When The Stars Come Out“. Dort legte Lars Eidinger auf, nachdem er vorher noch bei der Eröffnung war. Am Samstag läuft übrigens sein Film „All my Loving“ im Panorama.
Am Freitag hingegen gibt es erst mal schwere Kost im Wettbewerb mit dem deutschen Film „Systemsprenger“ über ein gestörtes Kind, „Grâce à Dieu“ über Missbrauch in der katholischen Kirche und „Öndög“ über eine einsame Frau in der mongolischen Steppe.

 

 

Kristin Buller

Kristin

lächelt nur auf Fotos nicht. Ganz fröhlich ist sie im Berliner Kulturleben unterwegs und schreibt über die Kulturszene Berlin – die Großstadt vor und hinter den Kulissen. Ihre liebste Jahreszeit ist die Berlinale, dann sieht sie 10 Tage lang Filme und erzählt davon im Blog.

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