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Berliner Hinterhöfe

Berlin ist nicht die einzige Stadt, die Hinterhöfe ihr Eigen nennen kann, aber es gibt wohl kaum eine zweite, für die diese Art der Bebauung so stilbildend war. Als im 19. Jahrhundert die Bevölkerung Berlins stark anstieg, was unter anderem durch eine gezielte Immigrationspolitik der preußischen Herrscher ausgelöst wurde, mussten neue Wohnräume geschaffen werden. In den 1870er Jahren wurde Berlin zur Millionenstadt, während 50 Jahre zuvor gerade einmal 220.000 Menschen hier lebten. Ein massiver Einwohnerzuwachs, der nicht ohne Folgen für das Zusammenleben blieb. Die innerstädtische Bebauungsfläche musste optimal ausgenutzt werden - die Mietskasernen entstanden. Hinter dem repräsentativen, an der Straße gelegenen Vorderhaus für das Bürgertum entstanden vielerorts Hinterhäuser für Dienstboten, Handwerker und die ärmeren Bevölkerungsschichten. Getrennt wurden diese gesellschaftlichen und räumlichen Lebensbereiche durch die Hinterhöfe, nicht selten drei oder vier hintereinander gelegene. Oft wurden für die Abmessungen der Grundfläche nur die Minimalgrenzen der Feuerschutzbestimmungen eingehalten, was gerade den hinteren Arealen eine sehr dunkle Stimmung verlieh. Doch sie waren auch Orte des alltäglichen Austausches. So prägten Kinder, die zwischen ihren Müttern spielten, die wiederum mit der Wäsche und den Neuigkeiten des Tages beschäftigt waren, das Bild. Besucher trafen auf Anwohner, auch die Toiletten waren oft in den Innenhöfen untergebracht. Der halböffentliche Raum des Hinterhofes, der zwar von der Straße zugänglich war, aber doch einen gewissen Schutz vor der Öffentlichkeit bot, entwickelte sich zu einem zentralen Punkt im Leben der Hausbewohner. Heute ist jedoch ein großer Teil dieser Altbauten saniert worden und ist mittlerweile zu hochbegehrtem Wohnraum aufgestiegen. Auch die Hinterhöfe in ihren unterschiedlichen Bepflanzungen und Ausmaßen tragen zur Attraktivität dieser Quartiere bei. Wo früher Dienstbote auf Geheimrat traf, begegnen sich nun Student und Rentnerin am Müllcontainer oder Fahrradständer. Sehr gut aufgearbeitete und sanierte Hoftrakte finden sich beispielweise in den Hackeschen Höfen mit den Rosenhöfen und den Heckmannhöfen, die eine stark gewerbliche und kulturelle Nutzung aufweisen.