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Ausstellung ‚Opera Opera‘ im PalaisPopulaire

Zeitgenössische Kunst rund um das Thema Oper im Palais Unter den Linden

Palais Populaire Außenansicht
Robert Schittko

Aus der Perspektive der bildenden Kunst und Architektur zeigt Opera Opera. Allegro ma non troppo die Oper als interdisziplinäres Labor für zeitgenössische Ideen, als Versuchsfeld für ästhetische und gemeinschaftliche Strategien.
Die Schau aus der Sammlung des MAXXI vereint rund 30 herausragende Positionen der italienischen Gegenwartskunst (u.a. Monica Bonvicini, Luigi Ontani und Michelangelo Pistoletto) und internationale Künstler*innen wie Kara Walker, William Kentridge oder den Ende 2021 verstorbenen Jimmie Durham, dem die Ausstellungskurator*innen dieses Projekt widmen.
Das Spektrum der Werke reicht dabei von den 1960er- und 1970er-Jahren bis in die aktuelle Gegenwart. Zu den jüngsten Arbeiten gehören zwei neue Produktionen, die eigens aus diesem Anlass von Rosa Barba und Olaf Nicolai geschaffen wurden.


Die von Hou Hanru, Künstlerischer Direktor MAXXI, Bartolomeo Pietromarchi, Direktor MAXXI Arte, und der MAXXI Kuratorin Eleonora Farina konzipierte Ausstellung transformiert das PalaisPopulaire in ein Gesamtkunstwerk, das in vier thematischen Strängen erzählt wird. Dabei beginnt die „Bühne“ – Stage – bereits draußen, auf der Terrasse. Die Geräusche der Stadt vermischen sich mit dem Gesang von Suzan Philipsz’ Soundinstallation "Wild Is the Wind". Und dort ist auch Marinella Senatores für Berlin konzipierte Lichtinstallation zu sehen, die sich mit Volksfesten im italienischen Süden und lange vermisster kollektiver Gemeinschaft assoziieren lässt.

An der Grenze zwischen Innen- und Außenraum hat Olaf Nicolai mit einer minimalistischen Bodenarbeit eine Bühne der Meditation und gemeinsamen Interaktion geschaffen. Den Auftakt des Kapitels Prelude im Innenraum bildet "Climbing", ein überdimensionaler Kronleuchter des Künstlerduos Vedovamazzei, der die Rotunde dominiert. Gleich nebenan bildet eine besondere Arbeit den musikalischen Auftakt zur Ausstellung: Philippe Rahms Soundarchitektur, die eine ganze Ausstellungshalle füllt.

Die Sektion Backstage führt im Untergeschoss in die Geschichte, in das Archiv. Neben Modellen von wegweisenden Architekturen von Opern- und Theaterhäusern, die unter anderem von dem Stararchitekten Aldo Rossi stammen, führt Luca Vitones "Sonorizzare il luogo (Grand Tour)" auf eine musikalische Reise durch die Regionen Italiens, ein kollektives Gedächtnis, in dem sich Klänge, Orte und Kulturen vereinen.

Im Obergeschoss lädt Jimmy Durham mit einem besonderen Videogruß zum Weltfrieden und ebenso zum Theatre of the Everyday ein. Rosa Barbas Auftragswerk "NO – Orchestra con nastro (2022)", eine kinetische Filmskulptur, welche Klang, Licht, Zelluloid vereint und vom Archivio Storico Ricordi in Mailand inspiriert ist. Das zu Bertelsmann gehörende Musikarchiv enthält die wohl weltweit bedeutendste Sammlung von Manuskripten zur italienischen Operngeschichte, darunter zahlreiche Originalpartituren von Verdi, Puccini, Donizetti, Bellini und Rossini, aber auch Manuskripte von zeitgenössischen Komponisten wie Luigi Nono, dessen Notationen in Barbas Skulptur dekonstruiert und neu interpretiert werden.

Zu den weiteren theatralisch-performativen Werken gehört eine Fotoarbeit von Vanessa Beecroft der im MAXXI realisierten Performance "VB74", in der sie einen Chor aus nackten, verschleierten Frauen aufstellt, der an Marien- und Passionsdarstellungen aus der Renaissance denken lässt. Dieser idealisierten Darstellung steht die Inszenierung von schwarzen, versklavten Körpern in Kara Walkers Scherenschnittarbeit gegenüber, die Rassismus, Sexismus, Unterdrückung in den Fokus nimmt.

Ein Highlight ist "Preparing the Flute", die animierte Miniaturbühne des südafrikanischen Künstlers William Kentridge. Sie entstand 2005, während seiner Arbeit an einer Inszenierung von Mozarts Zauberflöte. Das Werk setzt sich mit Geschichte, Erinnerung und der historischen Rolle von Mozarts „aufklärerischer“ Oper für koloniale und rassistische Ideologien auseinander. Mit Poesie, Schönheit und Ironie dringt Opera Opera in die kollektive Geschichte, in unseren Alltag vor, eine künstlerische Huldigung an die Dramen und Freuden des Lebens.

Begleitet wird die Schau durch ein umfassendes Rahmenprogramm gemeinsam mit dem MAXXI sowie den Partnerinstitutionen Bertelsmann/Archivio Storico Ricordi, Italienisches Kulturinstitut, Hochschule für Musik Hanns Eisler und Staatsoper Unter den Linden.

Öffnungszeiten

Täglich außer Dienstag 11 bis 18 Uhr, Donnerstag 11 bis 21 Uhr, Dienstag geschlossen

Adresse

Unter den Linden 510117  Berlin