Die Berliner Simulation

Die Berliner Simulation

Bodo Morshäuser

Berliner Simulation – © visitBerlin.de / Koch

Damals, tief in den 80er Jahren, als Berlin noch „Berlin (West)“ für die einen, und „Hauptstadt der DDR“ für die anderen hieß, da galt die westliche Stadthälfte als Soziotop aus alternativer Gegenkultur und Protest. Und wenn sich auf den Straßen von Kreuzberg und Schöneberg die Polizei und Hausbesetzer Straßenkämpfe lieferten, prallten gegensätzliche Weltanschauungen aufeinander. Die teils erbittert geführten Auseinandersetzungen waren jedoch auch äußere Zeichen einer Gesellschaft in Bewegung. „Schöneberg zu verlassen, das wäre, wie nach Oldenburg zu fahren“, schrieb Bodo Morshäuser über die elektrisierende Atmosphäre. Gleich mit seiner ersten Erzählung „Die Berliner Simulation“ gelang dem Berliner Schriftsteller 1983 das Porträt einer Generation auf der Flucht in imaginäre Ersatzwelten und Tunix. „Die Reise nach West-Berlin war für First-Class-Verwöhnte ein Viehtransport, für Entefahrer eine Initiation“, hat Bodo Morshäuser Jahre später gesagt. Doch die Zeiten haben sich inzwischen geändert und der in Charlottenburg lebende Autor hat den Wandel vom alternativen Kulturmekka zur wiedervereinigten Hauptstadt stets literarisch begleitet. Ob in „Nervöse Leser“ (1987), „Revolver“ (1988) oder in „Der weiße Wannsee“ (1993): Berlin ist immer anwesend.