Alfred Döblin
Franz Biberkopf, die berühmte Romanfigur aus Döblins „Alexanderplatz“, war nicht immer so beliebt wie heute. Warum, ist klar. Er sah die Stadt so, wie sie damals war – grau, ungerecht, schmutzig. Ein zeitgenössischer Rezensent fühlte sich deshalb an einen „Müllhaufen“ erinnert. Ein anderer bezeichnete den Autor sogar als „Nestbeschmutzer“. Heute ist Döblins Alexanderplatz dagegen ein Klassiker. Und ein wichtiges Werk der Literaturgeschichte: Denn in dem Roman wird die Stadt als Erzähler selber zum Protagonisten. Zum Erzähler, der auf eine zufällig vorbeifahrende Tram aufspringt. Ein paar Stationen mitfährt, mitgehörte Dialoge und mitgelesene Werbesprüche notiert. Um schließlich wieder abzuspringen und in der anonymen Masse zu verschwinden. Mit dieser besonderen Erzählweise ist Alfred Döblin ein literarisches Gesamtkunstwerk gelungen. „Berlin Alexanderplatz“ ist der Versuch, noch ein letztes Mal die Großstadt zwischen zwei Buchdeckel zu pressen. Und wer mit dem Roman am Alexanderplatz steht, für den verschwimmen die Grenzen von Vergangenheit und Gegenwart. Denn der Verkehrsknotenpunkt war damals, was uns heute nur allzu vertraut ist: eine riesige Baustelle.