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Berlin für Senioren - Rundgang Neukölln/ Britz:
ländliches Flair im Süden Berlins

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Britzer MühleWer dem Großstadttrubel für eine Weile entfliehen und ein ganz anderes Berlin erleben möchte, sollte einen Ausflug in den Süden Neuköllns unternehmen. Mit der U-Bahn-Linie 7 fahren Sie bis zur Station Blaschkoallee. Geht man von dort ein Stück auf der Fritz-Reuter-Allee nach Süden, wandelt sich das sonst von gründerzeitlichen Bauten geprägte Stadtbild.

U7 Blaschkoallee

Rundgang in Britz

Zwischen Blaschko-, Fritz-Reuter- und Parchimer Allee liegt die Hufeisensiedlung (1), eine Großwohnsiedlung als Gartenstadt aus der Zeit der Weimarer Republik. Dieses Wohnbauprojekt läutete nicht nur die Klassische Moderne in der deutschen Architektur ein, sondern stand auch Pate für ähnliche Siedlungen im ganzen Land. Auf einer Fläche von 33 Hektar sind rot, gelb, blau oder weiß gestrichene Bauten inmitten von Gärten und weitläufigem Grün arrangiert. Zentrum der Siedlung ist das von den Architekten Bruno Taut und Martin Wagner errichtete Hufeisen: Nach innen gerichtete Balkone richten sich auf einen kleinen Pfuhl, welcher zusammen mit dem rautenförmigen Straßenplatz, dem "Hüsing", die zentralen öffentlichen Räume der Siedlung bildet. Sozialreformerische Ideen wurden so mit dem Wunsch der Nähe zur Natur verbunden. Seit jeher leben hier vor allem Angestellte und Beamte. Besonders beeindruckend grenzt sich diese Siedlung durch die "Rote Front" entlang der Fritz-Reuter-Allee ab, einer langen Reihe dreigeschossiger Wohnhäuser, die der Wohnanlage beinahe den Charakter einer Festung verleiht.

Verlässt man die Hufeisensiedlung über die Dörchläuchtingstraße, trifft man auf den Gedenkstein des Dichters und Anarchisten Erich Mühsam (2), der hier in der Nr. 48 von 1930 bis zu seiner Deportation in das KZ Oranienburg lebte und seine Texte für Freiheit und Menschlichkeit verfasste. Weiter auf der Onkel-Bräsig-Straße, die für ihre japanischen Zierkirschen bekannt ist und alljährlich in prächtigem Weiß und Rot erblüht, passiert man den Fennpfuhl (3), einen weiteren der noch wenigen Teiche, die sich in der Eiszeit gebildet haben.

Das historische Dorf Britz (4)wurde 1375 zum ersten mal namentlich als "bretzki", der Ort am Birkenwäldchen, urkundlich erwähnt. 1920 wurde es zusammen mit den Dörfern Buckow und Rudow dem Bezirk Neukölln eingemeindet, hat sich aber sein altes Ortsbild erhalten können. Um den Dorfteich gruppieren sich die beiden alten Dorfschulen, das Schloss Britz (5) und der Gutshof. Durch ein schmiedeeisernes Tor betritt man die Kirche mit umgebenden Friedhof. Im Laufe ihrer langen Geschichte wurde die Kirche mehrmals umgebaut, woran ein kleines Museum erinnert. Neben der Kirche steht das klassizistische Pfarrhaus.

Das Britzer Schloss ist der interessanteste Teil des historischen Ensembles. Seit 1988 ist das renovierte Gebäude mit Schlosspark und See der Öffentlichkeit zugänglich. In den historischen Räumen aus der Gründerzeit finden auch Konzerte, Ausstellungen und Lesungen statt. Der Park im Stil der Jahrhundertwende ist täglich bis Einbruch der Dunkelheit geöffnet. Tafeln stellen die Geschichte des Schlosses und des Dorfes Britz dar.

Bus-Linie / Bus route M44

Mit dem Bus M 44 Richtung Alt-Buckow bis zur Haltestelle Dachdeckerweg.

Fahrzeit: 4 Min.

Am Britzer Damm steigen sie in die Buslinie M44 und fahren in Richtung Süden bis zur Station "Dachdeckerweg". Sie befinden sich nun am östlichen Rand des Britzer Gartens, der im Rahmen der Bundesgartenschau 1985 eröffnet wurde und heute eine der meistbesuchten Grünanlagen Berlins ist. Eine Schafherde lebt an den Weiden um die 1865 erbaute Britzer Windmühle herum, eine von sieben erhaltenen Windmühlen Berlins. Schon von außen fasziniert das 20 Meter hohe, mit Eichenschindeln gedeckte Holzgebäude. Die unter Denkmalschutz stehende Mühle wird seit 1936 mit einem Dieselmotor angetrieben und ist noch heute in Betrieb - sogar Hobbymüller und Brotbäcker werden hier ausgebildet. Außer diesen Kursen und Führungen hat die Mühle noch ein besonderes Angebot in petto: die "Ver-Mehlungen", Trauungen in der Mühle.

Das weitläufige, 100 Hektar große Areal des Britzer Gartens entstand auf ehemals landwirtschaftlichen Flächen als erste große Parkanlage in der geteilten Stadt. Hier bieten sich vielfältige Möglichkeiten: eine 10 Hektar große Seenlandschaft, Themengärten wie der berühmte Rosengarten, Spiellandschaften, ein geologischer Garten, der Hexengarten und das große Freilandlabor, auf dem eine ständige Ausstellung über Tier- und Pflanzenwelten informiert. Auf dem Kalenderplatz steht die größte Sonnenuhr Europas. Wen der Spaziergang erschöpft hat, kann den Garten auch mit der Parkeisenbahn erkunden - oder in einem der drei ganzjährig geöffneten Gaststätten (Café am See, Bistro am Kalenderplatz, Restaurant Britzer Mühle) einkehren.

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