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Die neue Hauptstadt - Politisches Berlin
Die Tour startet am Bahnhof Zoologischer Garten, wo man in den Bus 100 einsteigt. Berlins berühmteste Buslinie fährt durch den Tiergarten in Richtung Unter den Linden. Wer das Bundespräsidialamt aus der Nähe besichtigen möchte, kann dazu schon kurz hinter dem Großen Stern mit der Siegessäule aussteigen. Die dicken Granitmauern dieses schwarzen, ovalen Baus kontrastieren mit dem nebenliegenden Schloss Bellevue, das als Amtssitz des Bundespräsidenten dient. Der dreiflügelige Gebäudekomplex wurde 1785/86 als erstes Berliner Schloss im Stil des Klassizismus erbaut. Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs wurde der Bau 1954-59 aufwändig restauriert. Bellevue hat eher repräsentativen Charakter, zahlreiche Veranstaltungen, Gespräche und Termine des Bundespräsidenten finden hier statt. Am anderen Spreeufer erkennt man den langgestreckten Ziegelbau der "Abgeordneten-Schlange" entlang der Joachim-Karnatz-Allee. Der eigens für die Bonner Politiker erbaute Wohnblock fand allerdings wenig Zuspruch, sodass sich heute auch Normalbürger hier einmieten können. Einen guten Blick darauf hat man direkt vom Spreeufer aus. Auf der John-Foster-Dulles-Allee am Haus der Kulturen der Welt, der ehemaligen Kongresshalle, verlässt man den Bus. Hier, am Rand des Tiergartens - übrigens auch unter Politikern als Joggingstrecke beliebt -, entstand nach dem Umzug von Bonn nach Berlin das neue Parlaments- und Regierungsviertel. Neben der politischen Bedeutung sind viele seiner Bauten auch architektonisch sehenswert. Erst 2001 wurde das neue Bundeskanzleramt an der Paul-Löbe-Allee fertiggestellt. In dem weißen Gebäude mit ovalen Öffnungen und 13 Wintergärten sind 300 Büros untergebracht, darunter auch die Arbeitsräume des Deutschen Bundeskanzlers. Dahinter erkennt man das hellgraue Betongebäude der Schweizer Botschaft, ebenfalls 2001 fertiggestellt. Mit dem "Spreesprung" über die doppelstöckige Brücke hinüber zum Marie-Elisabeth-Lüders-Haus wird die Wiedervereinigung der hier einst geteilten Stadt symbolisiert. Hier ist neben dem Anhörungssaal und den wissenschaftlichen Fachdiensten auch die Parlamentsbibliothek angesiedelt, nach Washington und Tokio die drittgrößte der Welt. Das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus komplettiert das am Bundeskanzleramt beginnende sogenannte "Band des Bundes" zwischen Ost und West. Gegenüber des Hauptstadtstudios, in den Dorotheenblöcken, beherbergt das Jakob-Kaiser-Haus einen Großteil der Abgeordnetenbüros. Die Architektur nimmt die historische Formensprache der alten Dorotheenstadt auf. Drei alte Gebäude sind in den Neubau integriert worden: das "Haus Sommer", die "Kammer der Technik" sowie das ehemalige Reichstagspräsidentenpalais von Paul Wallot, dessen prunkvolle Säle heute von der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft genutzt werden. Wir biegen schließlich in die Wilhelmstraße ein und erblicken nach ca. 200m rechts den Pariser Platz mit dem Brandenburger Tor (13), Symbol Berlins und der deutschen Wiedervereinigung. An der Ecke Wilhelmstraße steht das Europa-Haus, der Sitz der Europäischen Kommission in Berlin. Direkt daneben befindet sich der Neubau der 2003 eröffneten Französischen Botschaft , die nun wieder an ihren historischen Ort umgezogen ist. Ein Beispiel für zeitgenössische Architektur ist die DZ-Bank auf der gegenüberliegenden Seite des Pariser Platzes. Während er sich mit der Außenfassade aus Sandstein an zahlreiche Vorgaben halten musste, verwirklichte Architekt Frank O. Gehry im Inneren des Gebäudes eine phantasievolle Skulptur im Atrium. Das traditionsreiche Hotel Adlon gleich neben dem Bankgebäude beherbergt auch Politiker aus aller Welt während ihres Berlin-Besuchs. Auf der Wilhelmstraße direkt hinter dem Hotel hat die Britische Botschaft ihren Sitz, während der Neubau der Botschaft der USA zwischen Pariser Platz und Behrenstraße 2008 fertiggestellt wurde. Entlang Unter den Linden reihen sich links Ungarische und Polnische Botschaft aneinander, gefolgt von weiteren Büros des Deutschen Bundestages auf Höhe der Schadowstraße. Auf der rechten Seite dominiert die Russische Botschaft. Die Tour geht weiter zurück zum Pariser Platz und durch das Brandenburger Tor hindurch. Wir biegen nach links in die Ebertstraße und nähern uns dem Denkmal für die ermordeten Juden Europas nach dem Entwurf des international renommierten New Yorker Architekten Peter Eisenman. Auf einer Fläche von ca. 19.000 m² sind 2.711 unterschiedlich hohe Stelen (Betonpfeiler) in einem Raster angeordnet. Ergänzt wird das Denkmal durch einen ebenfalls von Eisenman entworfenen unterirdischen Ort der Information mit beeindruckender Architektur, der auf ca. 800 m² Informationen über die Opfer und die Stätten des Grauens bereithält. Südlich des Mahnmals lässt sich ein Abstecher in die Ministergärten unternehmen, wo einige Landesvertretungen der Bundesländer (Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz, Saarland, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Hessen) angesiedelt sind. Auch in den umliegenden Plattenbauten haben einige Bundestagsabgeordnete ihren Wohnsitz. Östlich der Wilhelmstraße findet man das Gebäude desBundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, das von 1900 bis 1918 Sitz des Geheimen Zivilkabinetts des preußischen Königs und deutschen Kaisers Wilhelm II. war.
Um den Füßen eine kleine Pause zu gönnen, empfiehlt es sich, Unter den Linden in den Bus 100 oder 200 in Richtung Alexanderplatz zu steigen und bis zum Schlossplatz zu fahren. Der Palast der Republik, die ehemalige Sitz der Volkskammer der DDR, wird wegen seiner Asbestverseuchung abgerissen. Ein Wiederaufbau des Schlosses, das 1950 gesprengt wurde, soll hier in historisierender Form errichtet werden. Ab Herbst 2008 wird die Temporäre Kunsthalle an dieser Stelle Ausstellungen zeitgenössischer Kunst zeigen. Das Ehemalige Staatsratsgebäude der DDR am hinteren Ende des Schlossplatzes diente zwischen Regierungsumzug und Eröffnung des Neubaus 2001 als Bundeskanzleramt. Die Rathausstraße führt direkt zum Berliner Rathaus, dem Sitz des Regierenden Bürgermeisters der Stadt. Das Gebäude im Stil der norditalienischen Hochrenaissance wird auch Rotes Rathaus genannt, was allerdings nichts mit Politik, sondern mit der Farbe des Backsteingebäudes zu tun hat. Wir wenden uns jedoch vom Schlossplatz aus der Breiten Straße zu und passieren das Haus der Deutschen Wirtschaft am Spreeufer. Nicht weit von hier, am Werderschen Markt, liegt ein Gebäude mit einer äußerst wechselvollen Nutzungsgeschichte: als Sitz der Reichsbank gebaut, diente es als DDR-Finanzministerium, dann als Sitz des SED-Zentralkomitees. 1990 erfolgte die Umwidmung zum "Haus der Parlamentarier", bevor es schließlich als Auswärtiges Amt zur zentralen Schaltstelle der deutschen Diplomatie wurde. Der Altbau wurde innen umgestaltet und durch einen modernen Anbau erweitert. Eine gute Gelegenheit zur Rast bietet das an das Auswärtige Amt angegliederte Café.
Vom Spittelmarkt aus bringt Sie die Buslinie M48 (Richtung Zehlendorf) zur südlichen Wilhelmstraße zurück. Auch die Gebäude des Bundesrates - einst Preußisches Herrenhaus - und des Bundesministeriums der Finanzen, ehemaliges Reichsluftfahrtministerium, haben die geschichtlichen Umwälzungen erfahren. Weiter südlich, an der Niederkirchner Straße, hält die Ausstellung "Topographie des Terrors" die Erinnerung ans Dritte Reich wach. Das im Krieg zerstörte Prinz Albrecht-Gebäude war Sitz der Gestapo und damit Zentrum des Überwachungs- und Verfolgungsapparates des NS-Regimes. Nebenan wartet der prunkvolle Martin-Gropius-Bau mit interessanten Sonderausstellungen auf. Vis-à-vis tagen die Berliner Parlamentarier im Abgeordnetenhaus. Im Januar 1899 hielt der Preußische Landtag hier seine erste Sitzung ab. Heute gibt es neben der Möglichkeit, an einer Führung oder Sitzung teilzunehmen, Ausstellungen zu verschiedenen politischen Themen. Nur ein paar Schritte trennen Sie nun vom Potsdamer Platz. Wer Lust hat, kann von der Panorama-Aussichtsplattform auf dem Kollhoffgebäude den Blick über das gesamte Parlaments- und Regierungsviertel genießen.
Der Gemeinschaftskomplex der Nordischen Botschaften ist von einem türkisfarbenen Band umschlossen. Jede der Vertretungen Dänemarks, Schwedens, Norwegens, Finnlands und Islands ist individuell gestaltet. Ein interessantes Beispiel moderner Architektur ist die Mexikanische Botschaft mit ihren dynamischen Querstreben. Auch die Botschaften von Österreich, Indien, Griechenland, Estland, Portugal, der Vereinigten Arabischen Emirate, Japan, Italien, Saudi-Arabien, Malaysia, Malta und Luxemburg sowie die Ländervertretungen von Baden-Württemberg, Bremen und Nordrhein-Westfalen haben sich im Botschaftsviertel niedergelassen. Da die einzelnen Nationen selbst für ihre Repräsentanz in Berlin zuständig sind, spiegelt sich in ihrer Architektur ein Stück landestypische Individualität wider. Unweit des Kulturforums an der Stauffenbergstraße hat das Bundesverteidigungsministerium im "Bendlerblock" seinen zweiten Dienstsitz neben Bonn. In der Wilhelminischen Ära als Reichsmarineamt errichtet, wurde der Bau 1935 zum Reichskriegsministerium. Der Bendlerblock war nicht nur Oberkommando der Wehrmacht, sondern zugleich auch eines der Zentren des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus. Nach dem missglückten Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944 wurden hier Graf Stauffenberg und seine Helfer hingerichtet, woran eine 1953 im Hof aufgestellte Statue erinnert. Tipp Tipp Ausstellungen: Führungen: Bundesministerien Parteizentralen/Bundesgeschäftsstellen: Weitere Adressen:
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