Nikolaikirche

Nikolaikirche

Macht hoch die Tür

Nikolaikirche – © Scholvien

Kurz vor der Wiedereröffnung der Nikolaikirche kam es vor dem Eingang des Gotteshauses zu einer seltsamen Szene. Denn da stand ein Grüppchen ziemlich grimmig dreinschauender Christen und sang mit Schmackes: „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit.“ Sie standen vor der Kirche, wie gesagt. Doch in die Kirche durften sie nicht rein. Warum, ist schnell erklärt: Die Nikolaikirche, die seit 2008 umgebaut worden war, um 2010 feierlich wiedereröffnet zu werden, ist eben keine Kirche mehr, sondern „nur“ noch ein Museum. Was die Mitglieder der umliegenden christlichen Gemeinden auf die Palme bringt, ist aber nur eine Randnotiz. Denn auch die schärfsten Kritiker müssen zugeben: Das älteste Bauwerk Berlins erstrahlt wieder in neualtem Glanz! Und die Hauptstadt, die mit alten Kirchengebäuden nicht gerade gesegnet ist, hat eine Attraktion hinzugewonnen. Wer sich für Kirchengeschichte interessiert, für den ist die Nikolaikirche sowieso ein Muss! Denn hier hatte Paul Gerhardt sein Pfarramt, der bekannteste deutsche Kirchenlieddichter („Geh aus, mein Herz, und suche Freud“), bis er 1667 rausgeschmissen wurde, weil er weder Katholiken noch Reformierte als „wahre Christen“ akzeptieren mochte. Und hier war auch Philipp Jakob Spener, der Begründer des Pietismus, bis zu seinem Tod aktiv. Aber nicht nur um die Geschichte der Kirche, sondern auch um die Geschichte der Stadt geht es in der Dauerausstellung „Vom Stadtgrund bis zur Doppelspitze“, die hier zu sehen ist. Zu den Höhepunkten der Ausstellung zählt die Beyersche Gruft, in der man auf das Bodenniveau der Stadtgründungszeit hinabsteigen und das älteste „Berliner Zimmer“ betreten kann. Denn kaum zu glauben: Die Nikolaikirche ist so alt wie unsere Stadt – fast 800 Jahre. Und so ist das Leben unzähliger Generationen von Berlinern eng mit diesem Gebäude verknüpft. Hier wurde geheiratet, getrauert und mit Spreewasser getauft.