Geschichten aus Stein
Jeder Ort hat seine Geschichte, sagt man. Aber was, wenn ein Ort mehr als hunderttausend Geschichten hat, darunter bekannte und unbekannte, erzählte und solche, die noch darauf warten, erzählt zu werden? Dann könnte man auf dem Jüdischen Friedhof in Weißensee stehen, dem größten jüdischen Friedhof in Europa.
Mehr als 115.000 Grabsteine auf 40 Hektar, die aussehen wie ein verwunschener Märchenwald, erzählen die Geschichten der Menschen, die hier im Laufe der vergangenen 300 Jahren begraben sind. Geschichten aus Stein. Geschichten von Berlinern, die aus der Stadtgeschichte nicht wegzudenken sind – von dem Maler Lesser Ury (gest. 1931), dem Verleger Samuel Fischer oder dem Hertie-Gründer Hermann Tietz.
Direkt hinter demEingang, hinter dem prächtigen schmiedeeisernen Portal, befindet sich ein Ort des Gedenkens an die sechs Millionen Opfer des Holocaust. Um einen zentralen Gedenkstein liegen Steine mit den Namen von Konzentrationslagern; in unmittelbarer Nähe befinden sich Gräber von jüdischen Widerstandskämpfern. Man merkt es schon, einen Ort wie den Jüdischen Friedhof in Weißensee gibt es in Berlin kein zweites Mal. Oft wird ja gesagt, dass es in Berlin so schwierig sei, ein ruhiges Plätzchen zu finden. Dabei liegen die Orte der Stille meist direkt um die Ecke. Das gilt besonders für den Jüdischen Friedhof, einem wundervollen Ort der Ruhe, der Geschichte und Geschichten.
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