Von Grün bis Gründerzeit

Weißensee.

© hollenberger-photocase.com
  1. Startseite
  2. Planen
  3. Stadtinfos
  4. Von Grün bis Gründerzeit
Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 4 (2 Bewertungen)

In diesem Jahr hat es Weißensee bis zur Berlinale geschafft. „Im Himmel, unter der Erde“ lautet der Titel eines Dokumentarfilms über den Jüdischen Friedhof an der Herbert-Baum-Straße, dessen verträumte Schönheit Besucher aus aller Welt in den Berliner Nordosten zieht. Aber ein Auftritt auf dem Filmfestival ist für Weißensee eher die Ausnahme. Der Pankower Ortsteil hat es nicht so mit Glanz und Glamour, eher mit Grün und Gründerzeit, könnte man sagen. Und weil das so ist, finden Besucher hier eine vorstädtische Idylle, die in der bunten, aber manchmal etwas hektischen Hauptstadt selten zu finden ist.

Verwunschene Märchenlandschaft

Aber begeben wir uns doch auf einen Spaziergang durch Weißensee. Wussten Sie, dass nach jüdischer Tradition die Toten nicht übereinander bestattet werden und ein altes Grab niemals aufgelöst werden darf? Jüdische Friedhöfe sind nämlich nicht für 20, 25 oder 30 Jahre, sondern für die Ewigkeit angelegt. Und die Ewigkeit, sie sieht in Weißensee aus wie eine verwunschene Märchenlandschaft. Die Gräber, die zum Teil schief und krumm aus dem Boden ragen, stehen in einer wunderschönen Parklandschaft. Zudem können Besucher eine Reise in die jüdische Geschichte der Hauptstadt unternehmen.

Von Malern, Gastronomen und Verlegern

Das auf 46 Hektar verteilte Friedhofsgelände wurde am 9. November 1880 als „Weißensee’ner Begräbniß-Platz“ eröffnet, nachdem die alten Friedhöfe der Jüdischen Gemeinde an der Schönhauser Allee und an der Großen Hamburger Straße vollständig belegt waren. In Weißensee wurden in den folgenden Jahren Juden aller sozialen Schichten begraben, weshalb auf dem Friedhof kein Grab dem anderen gleicht. Ihre letzte Ruhe haben hier beispielsweise der Maler Lesser Ury, der KaDeWe-Gründer Adolf Jandorf, der Verleger Samuel Fischer, der Gastronom Berthold Kempinski und, erst vor wenigen Jahren, der Schriftsteller Stefan Heym gefunden. Übrigens: Männer müssen auf dem Friedhof eine Kopfbedeckung tragen. Und statt Schnittblumen werden nach jüdischer Tradition Steine auf die Gräber gelegt.

Auf einen Sprung ins Blaue

Wenn es das Wetter zulässt, lohnt sich ein Spaziergang vom Jüdischen Friedhof zu dem rund einen Kilometer entfernten Weißen See, der dem Ortsteil seinen Namen gab. Im Sommer ist es in Berlin doch meistens folgendermaßen: Natürlich könnte man auch raus aus der Stadt an einen der vielen Brandenburger Seen fahren. Aber dann steht man auf der Hinfahrt doch meistens nur im Stau – und auf der Rückfahrt auch. Und weil das vielen Berlinern so geht, ist der Weiße See traditionell ein beliebtes Ausflugsziel zum Baden. Oder zum Spazierengehen, denn ein 1,3 Kilometer langer Rundweg führt nicht nur um den See herum, sondern auch an einem kleinen Wildgehege, zahlreichen Skulpturen und am Restaurant „Milchhäuschen“ vorbei.

Wo nur wenige Besucher hinkommen

Westlich vom Weißen See ist man endgültig dort angekommen, wo kaum noch Besucher hinkommen – weder Friedhofsbesucher noch Ausflügler. Hier ist Weißensee noch ganz bei sich und es umweht den Spaziergänger ein Vorstadt-Hauch mit alten Zweigeschossern und Handwerkerhäusern, die aus dem Alten Berlin entstammen. Ein paar Schritte weiter an der Behaimstraße, steht die neoromanische St.-Joseph-Kirche. Wirklich sehenswert ist das so genannte Holländer Quartier, das in den Jahren zwischen 1925 und 1929 zwischen der Schönstraße und Woelckpromenade entstand. Die roten Backsteinhäuser mit den typischen Giebeln in Stufenform sind ein sehenswertes Beispiel für den Reformwohnungsbau und gelten als Vorläufer des Neuen Bauens.

Zu Besuch bei Bruno Taut und Bertolt Brecht

Apropos Neues Bauen. Auf der anderen Seite des Weißen Sees befindet sich an der Buschallee ein ab 1925 von Bruno Taut entworfenes Wohnhausensemble. In hellem Ocker und dunklem Rot zeigen sich seit der Restaurierung 1993 die Fassaden, in Weiß und Rosa die Rückseiten. Diesen Anblick hat ein prominenter Weißenseer wohl ständig vor Augen gehabt, wenn er vor sein Haus getreten ist. Denn nur wenige Meter vom Weißen See wohnten in der Berliner Allee 185 nach der Rückkehr aus dem Exil und vor dem Umzug in die Chausseestraße in Mitte (von 1949 bis 1953) Bertolt Brecht und Helene Weigel. In Weißensee hatten sie die Idylle gesucht – und die unaufgeregten und grünen Seiten der Hauptstadt gefunden.

Javascript is required to view this map.
    1.

    Jüdischer Friedhof Weißensee

    Er ist einer der größten und schönsten jüdischen Friedhöfe Europas

    Herbert-Baum-Straße
    45, 13088 Berlin - Weißensee
    Anzeigen
    2.

    Alter Jüdischer Friedhof

    Er ist einer der ältesten jüdischen Friedhöfe in Berlin. Moses Mendelssohn wurde dort begraben

    Große Hamburger Straße
    26-27, 10115 Berlin - Mitte
    Anzeigen
Kommentare

Kommentare

Geben Sie Ihren Senf dazu

Dieser Artikel wurde bereits 2 mal kommentiertNeuen Kommentar schreiben

Berlin ist einfach toll. Man

Berlin ist einfach toll. Man kann diese Stadt eigentlich niemals zu oft besuchen, denn jedes mal wenn man wieder kommt, kann man etwas neues entdecken. Wie kann es einem jemals langweilig werden auf dem Ku-Damm?? Und dann natuerlich die Frauenkirche und nicht zu vergessen die legendaere Mauer! Berlin ist immer wieder eine Reise wert!

  •  

    Online-Casino = Jedes casino online hält sich für das beste weit und breit, aber dieses Casino könnte es vielleicht mit Recht im Bezug auf ihre Slots von sich behaupten.

Kommentar bewerten

Die Frauenkirche???? Hmm ...

Die Frauenkirche???? Hmm ... die steht wohl etwas weiter weg ... oder ist Dresden noch UMLAND von Berlin?

Kommentar bewerten