So sieht die Welt Berlin

So sieht die Welt Berlin

Faszination Berlin

Ausländische Reiseführer – © visitBerlin

Der Blick von Außen auf Berlin. Wie beschreiben internationale Reiseführer die Stadt und ihre Bewohner? Welche Tipps geben sie?

Vor einigen Jahren noch empfahl ein US-Reiseführer nach Deutschland reisenden Amerikanern: „Lächeln Sie nicht zu viel in Deutschland. Deutsche brauchen einen Grund zum Lächeln, sind von Grund auf pessimistisch und genießen das. Wer zu viel lächelt, ist verdächtig oder verrückt.“

Die Besucher sollten, so rät der Autor, unbedingt auf ein „Wie geht's?“ verzichten. „Deutsche hassen Geschwätz, es ist ihnen egal, ob andere einen guten Tag haben oder nicht“, so das Fazit. Heute liest sich das ganz anders. Der Internetreiseführer Wikitravel macht verirrten Touristen Mut: „Deutsche werden sehr hilfsbereit sein.“ Aber er warnt auch mit einem Schmunzeln. „Verlasst Euch nicht komplett darauf. Weil Berliner sich oft auch nicht so genau auskennen in den Details oder den Nahverkehrs-Plänen.“ Berliner würden oft selbst nach dem Weg fragen müssen.

Na klar, in einer Stadt, die stets wird und nie ist! Der Lonely Planet, die Bibel aller Rucksacktouristen, hat es erfasst: „Vielleicht liegt es an der historischen Last, dass Berlin sich selbst so sehr mit ansteckender Energie ins Morgen wirft. Manchmal läuft die ganze Stadt über wie eine ganze große Party. Cafés sind zu allen Stunden voll, trinken ist ein religiöser Ritus und Clubs beherbergen ihre Szenen des Wahnsinns und Hedonismus bis zu den Morgenstunden. Schlaf? Vergiss es!“

Berlin hat sich seit der Maueröffnung eben zu einer der hipsten Städte der Welt gemausert. „The Rough Guide to Berlin“ nennt Berlin „eine außerordentliche Stadt“ mit „Weltklasse-Museen und hochklassigen Galerien“. Berlin kann sich niemand entziehen. Der französische Alternativ-Reiseführer „Berlin Autrement“ vergibt selbst für Mainstream-Attraktionen wie die „Île des Musées“ (Museumsinsel) volle drei Punkte auf der Skala und „Berlino Meridiano“ aus Italien, wo es nun wirklich keinen Mangel an Baukunst gibt, preist die „Porta di Brandeburgo“ (Brandenburger Tor) mit zwei Punkten.

Doch die Architektur ist für viele Gäste nebensächlich. Es ist die Geschichte, die lockt. Besonders die angloamerikanischen Reiseführer widmen sich ausführlich der Nazi-Zeit und dem Kalten Krieg. Time Out schwärmt begeistert vom „communist Kitsch“ in der Forschungs- und Gedenkstätte Normannenstraße und empfiehlt, dort unbedingt vorbei zu schauen. Aber auch der heutige Geist lockt. Manchmal schon im Titel des Reiseführers deutlich. Der Mini-Guide von Michelin zum Beispiel trägt den Titel „Escapade à Berlin“, was man mit „Ausflug“ oder auch „Eskapade“ übersetzen kann. Dazu passt auch die Einschätzung von „Let’s go Berlin“, was die deutsche Hauptstadt angeht. „Berlin ist größer als Paris, moderner als New York, wilder als Amsterdam und vielseitiger als London. Gleichzeitig kosmopolitisch, dynamisch und in einigen Hinblicken vergesslich.“

Übrigens sollte man nicht allem trauen, was in Reiseführen steht. „Let's Go Berlin“ empfiehlt, sich am Hackeschen Markt unauffällig unter die Szene-Leute zu mischen und dort ganz schick auf Deutsch „Milchkaffee“ zu ordern. Tja, damit wäre man dann als Tourist enttarnt. Denn Mitte ist nun mal bekanntlich Latte Macchiato-Country.

Kommentare

Ich finde es ebenfalls klasse mal in den Internationalen Reiseführern stöbern zu lassen und Auszüge daraus hier zu präsentieren. Interessant was andere über Deutschland bzw. Berlin so denken, schreiben und empfehlen. Mehr davon bitte....

Bitte noch mehr davon, ich finde es eine tolle Idee in neuen und alten internationalen Reiseführern zu stöbern und Artikel für Visit Berlin daraus zu machen! Da könnte doch eine richtige Serie draus werden, in dem die Bezirke, Sehenswürdigkeiten oder Kietze nacheinander behandelt werden... Beste Grüße vom Gesundbrunnen