Köpenick

Köpenick

Über das Regenwetter, den Hauptmann und den Müggelsee.
© Scholvien

Grün, soweit das Auge reicht. Dazu eine handvoll bezaubernder Seen und unzählige Kilometer befahrbare Wasserwege. Bei blauem Himmel und Sonnenschein ist Köpenick das Wassersportparadies Nummer Eins der Hauptstadt. Aber was, wenn nur graue Wolken zu sehen sind und es regnet? – Nun, dann ist Köpenick beinahe noch schöner.

Ein romantisches Wasserschloss

Dip, dip, dip... Leise fallen die Regentropfen in die Dahme. Der Wind rauscht in den alten Flatterulmen und Ginkgobäumen, die seit Hunderten von Jahren auf der kleinen Insel im Schlossgarten stehen – ganz so, als wollte er ein Konzert geben. Und das barocke Köpenicker Wasserschloss, im 17. Jahrhundert für den späteren Preußen-König Friedrich I. gebaut, das strahlt so hell und weiß durch den trüben Nachmittag, dass es romantischer kaum sein könnte. Aber ein Wetter zum Spazierengehen ist es wirklich nicht. Also rein ins Schloss.

Ausstellung: Ledertapeten und Stuckdecken

Drinnen ist es nicht nur warm: In dem einzigen original erhaltenen Barockschloss Berlins befindet sich ein außergewöhnliches Kunstgewerbemuseum. In einer wunderschönen Dauerausstellung zum Thema „RaumKunst“ präsentiert das Museum Möbel und Kunstgegenstände aus dem 16. bis 18. Jahrhundert – von der Renaissance bis zum Rokoko. Und so lassen sich bei einem Rundgang durchs Schloss großformatige, beeindruckende Tapisserien entdecken. Der Wappensaal ist mit prächtigen Stuckdecken verziert. Es gibt kostbare Ledertapeten und barocke Kunstkammerschränke, edle Tafelaufsätze – und das berühmte Silberbuffet aus dem Berliner Schloss.

Beim Hauptmann von Köpenick

Noch berühmter allerdings ist in Köpenick etwas anderes: das neogotische Rathaus und der Streich, den der arbeitslose Schuster Wilhelm Voigt am 16. Oktober 1906 den Stadtoberen dort spielte. Voigt kaufte sich bei einem Trödler eine Hauptmannsuniform, unterstellte zehn Gardesoldaten seinem Kommando und fuhr mit der Straßenbahn zum Köpenicker Rathaus. Dort ließ er den Bürgermeister verhaften und beschlagnahmte Stadtkasse. Die Hintergründe zu der amüsanten und weltbekannten Köpenickiade lassen sich heute in einer kleinen, aber feinen Ausstellung in eben jenem Rathaus nachlesen.

Schweinehaxe, auf Buchenspänen geräuchert

Spätestens dann allerdings wird es Zeit für eine Pause. Am besten gleich im Ratskeller, in dem regionale und traditionelle deutsche Küche angeboten wird. Das Leibgericht des Hauptmanns von Köpenick gibt es auch: eine auf Buchenspänen geräucherte Schweinehaxe, serviert mit Kraut und Erdäpfeln. Wer es lieber etwas leichter mag, findet ein paar Schritte weiter, in der Kirchstraße 5, das „Milchkaffee“ – ein gemütliches, familiengeführtes Café, in dem es nicht nur leckeren Milchkaffee, sondern auch selbstgebackene Brötchen, vegetarische Mittagsgerichte und süße Bio-Torte gibt.

Eine Mini-Kur mit Himalaya-Salz

Falls ein hartnäckiger Regenguss den anstehenden Verdauungsspaziergang noch immer verhindern sollte, ist der SalzDom genau der richtige Ort, um die mittägliche Entspannung fortzusetzen. Der etwa 50 Quadratmeter große Raum in der Grünstraße 24 ist komplett aus Himalaya-Salz gebaut, das immerhin rund 200 Millionen Jahre alt ist. So entsteht ein Klima wie in den Tiefen eines Salzstollens: mit kühler, salziger und sehr gesunder Luft. Dabei funktioniert die Mini-Kur im SalzDom ganz einfach: in eine Decke einkuscheln, in einen der Liegestühle legen und 45 Minuten lang relaxen.

Entdeckungen im Bölsche-Kiez

Derart entspannt lässt sich gut dem Wetter trotzen – schließlich wartet der Bölsche-Kiez im nahegelegenen Ortsteil Friedrichshagen darauf, entdeckt zu werden. In den denkmalgeschützten Gründerzeitbauten des Viertels rund um die Bölschestraße, die gern als „Kudamm des Ostens“ bezeichnet wird, verstecken sich viele traditionsreiche Läden und Ateliers. Das Antiquariat Brandel etwa, in der Scharnweberstraße 59, widmet sich besonders der Literatur des Friedrichshagener Dichterkreises. Und in der „galerie bild plus“ (Am Goldmannpark 20), die in einem der typischen Innenhöfe liegt, sind Werke zeitgenössischer junger Künstler ausgestellt.

Wer Lust bekommen hat, Köpenick und die Berliner Bezirke weiter zu entdecken, findet zahlreiche Kiez-Geschichten in unserem Reiseführer "Kiez erleben", der online hier bestellt werden kann.

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