Vergangenheit und Zukunft
Wenn man mit der U2 entlang des Potsdamer Platzes fährt, hört man immer wieder, wie Berliner ihren Gästen erklären: “Dies war mal eine Brachlandschaft, und da ging die Mauer lang“. Angesichts der imposanten Hochhäuser und belebten Straßen fällt es heute schwer, sich vorzustellen, dass da tatsächlich einst nur eine riesige Leerfläche sich erstreckte – geteilt von der Mauer, mitten im Herzen der Stadt. Zwischendurch wurde sie für den Test einer Magnetbahn genutzt. Doch dann kamen erst ein schwerer Unfall und dann der Mauerfall, und das Projekt wurde eingestellt.
Nach der Wiedervereinigung war schnell klar, dass der Potsdamer Platz wieder zu neuem Leben erwachen sollte, war er doch in den 20ern der belebteste Platz Europas gewesen. Sogar die erste Ampelanlage wurde hier errichtet. Es bot sich eine einzigartige Chance, die wohl keine andere gewachsene Stadt auf der Welt jemals hatte: die Errichtung eines völlig neuen Stadtzentrums. Und diese Chance wurde genutzt – wenn auch von kritischen Stimmen begleitet.
Wenn man heute aus dem glitzernden SonyCenter mit dem bunt angestrahlten Zeltdach hinaus auf die Hochhäuser blickt und dazu die riesigen Werbeflächen auf dem Kollhoff-Gebäude sieht, dann fühlt man sich wirklich wie in der Welt von Morgen. Einen urbaneren Ort in Berlin kann man sich auf jeden Fall nicht vorstellen.
Allen Unkenrufen der Kritiker zum Trotz (wann wird in Berlin auch jemals ein Projekt ohne erbitterte Streitereien und Kritiken vollendet?) haben die Berliner und ihre Besucher den Potsdamer Platz angenommen und gehen shoppen, ins Kino und ins Restaurant. Dabei denkt keiner mehr daran, dass sie sich in einem neu-errichteten Zentrum bewegen – außer man kann dem Besuch erklären, dass hier einst eine Brachfläche war, von der Mauer geteilt.
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