Kreuzberg.
Dramatische Geschichte und lässige Street Art, orientalische Märkte und Ausstellungen von internationalem Rang – Kreuzberg ist nicht Multi-Kulti, sondern Multi-Multi. Denn der Bezirk verändert an jeder Straßenecke sein Gesicht: vom idyllischen Spaziergang am Wasser bis zur abgefahrenen Szeneparty, kann der Besucher hier alles tun.
Große Geschichte
Kreuzberg beginnt mit großer Geschichte. Am Checkpoint Charlie, dem berühmtesten ehemaligen Grenzübergang Berlins, betritt der Spaziergänger – so verkündet noch heute ein Schild über dem Fußweg – den „Amerikanischen Sektor“. Und gleichzeitig taucht er in eine bunte Welt voller Vielfalt und Kreativität ein, die selbst in Berlin ihresgleichen sucht. Der Grund liegt in der Historie: Im berühmten Kreuzberger Postbezirk SO36, den die Berliner Mauer einst von drei Seiten einschloss, bildete sich in den 1970er und 1980er Jahren eine inzwischen legendäre Hausbesetzerszene und Alternativkultur. Bis heute ist das Lebensgefühl dieser Szene in ganz Kreuzberg zu finden. Der Bezirk ist so bunt und überraschend, dass man nie genau weiß, was sich hinter der nächsten Straßenecke verbirgt.
Wie auf einem orientalischen Basar
Die erste erstaunliche Entdeckung ist zweifellos die grüne Seite des Bezirks. Zehn Fußminuten vom Checkpoint Charlie entfernt kreuzt der Landwehrkanal den Weg. Das Wasser plätschert großstädtisch entspannt dahin und ein Spaziergang zum „Alten Zollhaus“ oder zu den Restaurantschiffen am Urbanhafen, lässt Kreuzberg wie eine gemütliche Idylle erscheinen. Doch bis zum Maybachufer, der Grenze zu Neukölln, hat sich das Bild völlig verändert. Denn dort findet zweimal in der Woche ein türkischer Markt statt, dessen multikulturelle Vielfalt typisch für Kreuzberg ist. Hier gibt es von Wollpullovern bis zu sonnengereiften Tomaten wirklich alles zu kaufen. Und natürlich wird gehandelt wie auf einem orientalischen Basar.
Kreuzberger Lebensgefühl im „Görli“
Nur drei Straßen weiter beginnt der Görlitzer Park, die zweite grüne Oase Kreuzbergs, die von den Kiezbewohnern einfach nur „Görli“ genannt wird. Vor allem im Sommer ist hier immer etwas los. Althippies und Studenten, türkischstämmige Großfamilien und Zugezogene aus der ganzen Welt treffen sich zum Grillen, Musik machen, Frisbee spielen oder einfach, um zu chillen. Und das besondere dabei ist: Ob ausgeflippt und freakig, oder ganz normal – jeder ist so individuell und einzigartig wie er sein will, und keiner wird blöd angeschaut. Das ist die Kreuzberger Lebenseinstellung.
Die Szene der Oranienstraße
Die Vielfalt des Bezirks spürt der Besucher auch, wenn er zur wiederum nur einen Katzensprung entfernten Oranienstraße schlendert. Cafés wie die Rote Harfe oder die plüschig-rosafarbene Bar Roses sind individueller als anderswo. Und in den vielen kleinen Läden im Kiez gibt es unzählige Schätze zu entdecken. In der Imaginären Manufaktur etwa werden so schöne Dinge wie Tastaturbürsten im Look des Brandenburger Tors feilgeboten – entwickelt von mehr als 70 internationalen Designern und hergestellt in der ehemaligen Kreuzberger „Blindenanstalt“ von behinderten Menschen. In der Buchhandlung Dante Connection, die vor einigen Jahren die Lange Buchnacht in der Oranienstraße mitbegründet hat, gibt es nicht nur erstklassige Bücher aus Italien, sondern auch eine „exzellente Buchberatung“. Und bei „Loupiotte Leuchten“ in der Dresdner Straße 20 leuchten extravagante Lampen aus Papier, Holz, Metall und Stein – von der stylischen Seeigel-Tischlampe bis zur klassischen Ballhaus-Pendelleuchte.
Kreuzberger Kunst & Kultur
Allerdings sollte man beim Spazieren und Shoppen nicht nur in die Schaufenster schauen. Denn auch zwischen den Geschäften, an Hauswänden, Straßenlaternen und auf dem Gehweg findet sich Kreuzberg: überall sind Schablonenkunstwerke, Graffititags (kurz: Streetart) zu sehen. Klar, denn schließlich ist auch die künstlerische Vielfalt eines der Kreuzberger Markenzeichen: Im Kunstraum Kreuzberg/Bethanien werden Werke zeitgenössischer Künstler präsentiert; in den drei Spielstätten des Theaters „Hebbel am Ufer“ kommen experimentelle Formen wie Dokumentartheater oder interaktive Aufführungen auf die Bühne; das „Werkbundarchiv – Museum der Dinge“ präsentiert Sammlungen zur Design-und Alltagskultur des 20. Jahrhunderts; und im 1881 gebauten Martin-Gropius-Bau finden Ausstellungen von internationalem Rang statt.
Multi-Multi
Das alles ist Kreuzberg – und es ist noch viel mehr: Man müsste vom Viktoriapark und dem Kreuzberg schreiben, von dessen Gipfel einem ganz Berlin zu Füßen liegt. Vom Karneval der Kulturen, bei dem Teilnehmer aus 80 Nationen dabei sind. Oder vom Bergmannkiez und dem Bergmannstraßenfest auf dem drei Tage gejazzt wird. Und natürlich von der Kreuzberger Techno-Szene. Kreuzberg ist eben nicht nur Multi-Kulti, sondern vielmehr. Multi-Multi sozusagen. Man muss es gesehen haben.
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