Schöneweide (Treptow-Köpenick).
Mit der modernen Kunst ist es doch so: Sie wird oft ausgestellt in einem weißen Raum, in dem nichts herumsteht außer eine schwarz gekleidete Galeristin, die wahlweise streng oder gelangweilt dreinschaut. Ein Klischee? Vielleicht. Auf alle Fälle aber der Grund, warum beim Festival „Kunst am Spreeknie“ vor wenigen Wochen die Besucher so begeistert waren. Denn hier war alles anders: Es gab nicht nur offene Ateliers und fröhliche Künstler, sondern auch viel Farbe, Musik und Lesungen. Am meisten überrascht waren allerdings manche über den Ort des Festivals: Schöneweide. „Ein Industriedenkmalort von bundesweiter Bedeutung“, so der Berliner Landeskonservator Jörg Haspel. Das ist richtig – aber inzwischen auch ein Ort mit neuem Profil. Und das liegt vor allem an der Kunst.
So wichtig wie die Museumsinsel
Die Künstler waren einmal mehr die Ersten, die das rund drei Kilometer lange Industrieband, das die AEG an der Wende zum 20. Jahrhundert an die Spree baute, entdeckt haben. Vielleicht, weil die Produktionshallen, Fabrikantenvillen und Schornsteine schon allein ein Gesamtkunstwerk darstellen. So wundert es kaum, dass die meisten Ateliers auf dem Gelände des ehemaligen VEB Transformatorenwerks Oberschöneweide (TRO) an der Wilhelminenhofstraße untergekommen sind. In einer Gegend also, über die der Denkmalpfleger Norbert Huse sagt: „Die Industrielandschaft Schöneweide ist für die Elektropolis Berlin nicht weniger charakteristisch als die Museumsinsel für Spree-Athen.“
Studenten in Industriebauten
Das sehen auch andere immer mehr so, nicht nur die Künstler. Die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) zum Beispiel, auch die hat hier an der Wilhelminenhofstraße einen eigenen Standort eröffnet. Wilhelminenhof, heißt der Campus, wo die Studenten die gelben Ziegelaltbauten mit Geist und Leben füllen. Zum Wintersemester haben sich mehr als 16.000 junge Männer und Frauen auf die 2.600 Studienplätze an der HTW beworben – beinahe 5.000 mehr als im Jahr zuvor. Der Standort Schöneweide ist dabei längst kein Hindernis mehr.
Aus der Pionierrepublik wurde das FEZ
Die Künstler waren also die Ersten. Die Studenten die nächsten. Und nun kommen immer mehr Junge und Kreative. Die ganz Jungen allerdings, die Kinder und Jugendlichen, die waren hier in Schöneweide schon immer zu Hause, zumindest seit 1951. Damals wurde in der Wuhlheide die „Pionierrepublik Ernst Thälmann“ eröffnet. Heute heißt der ehemalige DDR-Freizeitpark längst FEZ und ist Europas größtes gemeinnütziges Kinder-, Jugend- und Familienzentrum. Mit Astrid-Lindgren-Bühne, Kindermuseum, Parkeisenbahn und zahlreichen Großveranstaltungen ist das FEZ ein Magnet für Kinder und Jugendliche aus der ganzen Region.
Die Zukunft von Schöneweide
Nieder- und Oberschöneweide (die Ortsteile werden durch die Spree getrennt), bilden einen Standort, der günstig gelegen ist. Dafür sorgt allein schon die Nähe zum neuen „Stadttor“ von Berlin, dem künftigen Hauptstadt-Airport BER. Nach der Eröffnung in 2012 werden die Flugreisenden von Südosten aus – damit auch durch Schöneweide – in die Stadt kommen. Damit erstreckt sich von Schönefeld aus ein Gebiet, das sich über die Wissenschaftsstandorte Adlershof und Schöneweide bis hin zum Tempelhofer Flughafengebiet und in die Innenstadt hinein erstreckt.
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