Hellersdorf.
Es war das zweitgrößte Bauvorhaben in Berlin nach dem Potsdamer Platz. Rund um den Alice-Salomon-Platz wurde 1997 die „Helle Mitte“ fertiggestellt. Manche bezeichnen es einfach als Einkaufszentrum, aber das greift zu kurz. Es ist die Innenstadt von Hellersdorf, dem jüngsten Berliner Bezirk, wo inmitten der Hochhäuser dörfliche Strukturen gedeihen. Hellersdorf liegt nicht nur aufgrund des vielen Grüns und der niedrigen Mieten im Trend bei jungen Familien.
Farbe in die Plattenbauten
Erst kommen die roten Balkons, dann kommen die blauen, grünen und gelben Balkons. So geht es auf allen Hellersdorfer Hauptstraßen bis zum Alice-Salomon-Platz, dem Zentrum des Ortsteils im Nordosten Berlins. Die ehemals grauen Plattenbauten wurden nach der Wende modernisiert und farblich aufgelockert. In „Helle Mitte“ kann man die neuesten Filme sehen (Multiplex-Kino) oder Fachärzte konsultieren (Klinik und Ärztezentrum). Dazu kommen 180 Geschäfte und Restaurants auf 80.000 Quadratmetern, vom Manga-Shop bis zum Lebensmitteldiscounter. Und zwischendurch gibt es Klassik Open Air, Brunches, Boxkämpfe, Balkonkino, Kunst-Ausstellungen und mit „Rund um Helle Mitte“ sogar eine eigene Kiez-Zeitung.
Museumswohnung zu besichtigen
Hellersdorf wurde 1375 im Landbuch Karls IV. erstmals urkundlich erwähnt. Es trug den Namen „Helwichstorpp“ und gehörte den Gebrüdern Dirike, denen auch ein großes Gut gehört. 1886 kaufte die Stadt Berlin das Gut und legte östlich des Flusses Wuhle Rieselfelder an. Mit der Bildung von Groß-Berlin wurde dann auch 1920 Hellersdorf eingemeindet. 1986 entstand dort Berlins jüngster Stadtbezirk und bekam als Wappen den Berliner Bären sowie drei Plattenbauten verliehen. Die Hochhäuser sind das Kennzeichen des Bezirks. In der Hellersdorfer Straße 179 kann man noch die letzte noch im Original erhaltene 61 m² große WBS-70-Plattenwohnung aus DDR-Zeiten besichtigen.
Paradies im Plattenbau
So sehr sie Unverständnis von außen erdulden müssen, die Hellersdorfer hängen an ihrem Bezirk. Und das ist kein Wunder. Wer Hellersdorf entdeckt, findet ein Paradies im Plattenbau, eine Stimmung wie in einem Dorf. Nur dass dieses Dorf statt in die Breite eben in die Höhe gewachsen ist. Da gibt es gibt es Hausteiche im Hochhaushof, in denen 70 Zentimeter lange Karpfen gedeihen, da gibt es Genossenschaften wie die „Grüne Mitte“, die eine eigene Hochzeitsplanerin und einen Kinder-Garten bieten und für jedes Baby, das dort geboren wird, ein Ahornbäumchen pflanzen und mit Namenstafeln versehen. Immer mehr junge Familien, die den günstigen Wohnraum am grünen Rande von Berlin schätzen, ziehen dorthin.
Ein neuer Park für den grünen Bezirk
Wohnen in Hellersdorf bedeutet viel Grün um sich zu haben. Rund 16 Prozent der Fläche von Hellersdorf sind Garten- und Grünflächen. Gerade eröffnet hat zum Beispiel einer der schönsten neuen Stadtparks Berlins mit insgesamt knapp sechs Hektar. Er trägt den Namen des Ehrenvorsitzender des Internationalen Auschwitz-Komitees Kurt Julius Goldstein (1914-2007). Die Grünanlage ergänzt den 2007 vis-à-vis fertig gestellten Regine-Hildebrandt-Stadtpark. Das Prunkstück des neuen, 3,2 Hektar großen Parkabschnittes, ist eine 65 Meter lange Fußgängerbrücke aus Edelstahl. Die geschwungene Pfahl-Konstruktion überspannt ein ausgedehntes Feuchtgebiet mit Biotopen und Röhrrichtteichen. Und dort sind die Hochhäuser ganz nah und doch so fern.
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