Immer an der Panke lang!

Wedding.

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Zugegeben, wer an Flüsse in Berlin denkt, dem fallen wohl zuerst die Spree oder die Havel ein. Schon die Dahme ist eher was für Kenner. Aber wer denkt an die Panke? Vielleicht weil der drittgrößte Fluss der Hauptstadt hin und wieder wie ein Bach oder ein Kanal aussieht. Dabei ist das Besondere an diesem Flüsschen: Der Uferweg ist beinahe durchgehend mit Wander- und Radwegen erschlossen. Und wer sich einmal auf den Pankeweg begibt, erfährt eine Menge über den Berliner Norden, vor allem aber über den alten Arbeiterbezirk Wedding.

Im Wedding ist Berlin authentisch

Natürlich weiß jedes Kind, dass die Berliner im Wedding und in Prenzlauer Berg zwar direkte Nachbarn, aber trotzdem in unterschiedlichen Lebenswelten zu Hause sind. Jenseits von Gleimtunnel und Bernauer Straße die schicken Latte-Macchiato-Trinker und diesseits – ja, was ist eigentlich im Wedding? Vielleicht das authentische Berlin. Das Berlin, wo der Kaffee noch schwarz ist und ohne Schaum ausgeschenkt wird. Wo die Brautkleider noch strahlend weiß sind, wie es sich gehört. Und das Bier nicht nur Molle genannt, sondern am liebsten unvermischt und selber gebraut getrunken wird.

Hier ist das Herz mit Schnauze zu Hause

Der Wedding ist die Heimat von Hinterhöfen, Hunden und Herz mit Schnauze. Davon ist allerdings zunächst an der Mündung der Panke, wo der Fluss in den Spandauer Schifffahrtskanal fließt, noch nicht so viel zu spüren. Zu Mauerzeiten war hier an der Schwarzkopffstraße ein Grenzübergang, wo Mädchen aus Ostberlin ihre Bekanntschaften aus dem Westen verabschiedeten, andere ihre Westberliner Verwandten. Zwar sind die DDR-Grenzposten lange fort, aber nun kommen die Nachrichtendienstler vom BND, die an der Chausseestraße ihre neue Zentrale errichten und für einen Aufschwung des gesamten „Panke-Quartiers“ sorgen. Von einer „Top-Adresse“ ist nun sogar die Rede.

Die grüne Seite des Arbeiterkiezes

Auf der anderen Straßenseite, im Grünzug zwischen Liesen- und Schulzendorfer Straße, geht der Weg an der zunächst noch kanalisierten Panke weiter. Hier zeigt sich der Arbeiterkiez von seiner grünen Seite. Wild zugewucherte Passagen wechseln sich mit gepflegten Parkanlagen ab. Und auf dem Weg in Richtung Bernau, wo die Panke nach entspringt, finden sich zahlreiche reizvolle Baudenkmäler. Zum Beispiel die alte Omnibus-Zentralwerkstatt der BVG an der Uferstraße 8-11 aus den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts, ein Fabrikgelände aus rötlich-braunen Klinkern mit einem markant-rundem Kesselhaus, das heute die Uferstudios und die Uferhalle beherbergt.

Neogotik am Brunnenplatz

Nur wenige Meter entfernt liegt das 1901 bis 1906 nach Plänen von Rudolf Mönnich und Paul Thoemer errichtete Amtsgericht Wedding, das in seinem neogotischen Stil die Meißener Albrechtsburg zum Vorbild hat und mit geradezu strenger Autorität über dem Brunnenplatz thront. Der prächtige Giebel, schlanke Türmchen und ein hohes Mittelfenster sind Blickfänge für Spaziergänger und Besucher. Im Innern beeindruckt die riesige Treppenhalle, die über vier Ebenen reicht.

Schlachtrufe an der Plumpe

Nur ein paar Meter weiter hallte früher ein Schlachtruf durch den Kiez: „Ha-ho-he, Hertha BSC.“ In der legendären „Plumpe“, dem ehemaligen Hertha-Stadion am Gesundbrunnen, wurde Hertha BSC Deutscher Fußballmeister 1930 und 1931. Dabei war der Gesundbrunnen nicht nur sportlich obenauf: Die Badstraße war eine schicke Flanier- und Amüsiermeile mit einer Strahlkraft weit über den Wedding hinaus. Und auch wenn Erinnerungen im Rückblick oft etwas nostalgisch verklärt werden, kann man sich hier die Hinterhof-Idylle eines Zille immer noch gut vorstellen.

Eine Heilquelle als Namensgeber

Auf der anderen Seite der Badstraße folgt ein weiterer Blick in die Geschichte: Hier gab es einst eine Heilquelle, die dem Gesundbrunnen ihren Namen gab. Im Jahr 1758 hatte der Hofapotheker Wilhelm Behm ein Bad errichtet, das 1809 nach einem Besuch der Königin Luise in Luisenbad umbenannt wurde. Von diesem Bad blieben nach Bombenangriffen im 2. Weltkrieg nur Ruinen übrig. Heute sind Reste immer noch zu erkennen, doch in dem Neubau ist inzwischen eine Bibliothek untergebracht.