Mehr als nur der grünste Bezirk Berlins
Es ist doch immer wieder schön, sich als etwas Besonderes fühlen zu können. Als Köpenicker zum Beispiel. Denn als Bewohner des grünen Ortsteils im Berliner Südosten kann man sich darauf verlassen, dass hier auch schon früher allerhand los war, sogar schon zu einer Zeit, als von Berlin noch lange keine Rede sein konnte und die spätere Hauptstadt noch eine Weile aus Wäldern und Wiesen und sonst gar nichts bestand. Ja, so ist das mit Köpenick: Spuren erster Siedlungen reichen zurück bis zu einem bronzezeitlichen Dörfchen vor mehr als 3.000 Jahren.
Zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde „Copenic“ dagegen im Jahr 1209 – also wiederum 28 Jahre vor Berlin. Doch bevor der Wettiner Markgraf Konrad II die Siedlung schriftlich benannte, hatte sich in Köpenick bereits ein gewisser Wendenfürst Jaxa herumgetrieben, einem Gegenspieler von Albrecht dem Bären, über den sich bis heute die so genannte „Schildhornsage“ hält, an die auch ein Denkmal im Grunewald erinnert.
Wie dem auch sei, auf alle Fälle war der gute Jaxa wohl auf der Flucht, als er in den Fluten der Havel zu versinken drohte. In seiner Not rief er den christlichen Gott zu Hilfe, den er bis dahin leidenschaftlich bekämpft hatte – und siehe da, plötzlich ergriff ihn eine Hand aus dem Himmel und half ihm ans rettende Ufer. Eine Szene, wie geschaffen für Theodor Fontane, der darüber schrieb: „Seinen Schild aber, den der Finger Gottes berührt, ließ er dem Ort, wo das Wunder sich vollzogen hatte. Der Schild des Heiden war ihm zum Glaubensschild geworden.“
Ein weiteres, ungleich bekannteres Denkmal erinnert vor dem Rathaus in Köpenick an einen gewissen Friedrich Wilhelm Voigt, der hier unter dem Namen Hauptmann von Köpenick weltberühmt wurde, und das ist nicht einmal übertrieben. Den Hauptmann von Köpenick kennt einfach jedes Kind. Die Geschichte, wie der Schuhmacher Voigt, als Hauptmann verkleidet, am 16. Oktober 1906 ins Rathaus eindrang, den Bürgermeister verhaftete und die Stadtkasse raubte. Ein Ereignis, das bereits damals für viel Wirbel sorgte, und das der Dramatiker Carl Zuckmayer zu der Komödie „Der Hauptmann von Köpenick“ verarbeitete.
Aber der Ortsteil im Bezirk Treptow-Köpenick besteht natürlich nicht nur aus alten Geschichten. Gelegen mitten im Berliner Urstromtal an der Mündung der Dahme in die Spree, ist Köpenick so grün wie kein anderer Ortsteil Berlins. Und auch die ökonomischen Perspektiven stimmen. Im Juni 2012 wird hier ganz in der Nähe der neue Hauptstadt-Airport BER eröffnet. Das ist ein Grund, warum sich immer mehr Unternehmen ansiedeln und die Bevölkerungszahl wächst. Der Bezirk Treptow-Köpenick, zu dem der Ortsteil Köpenick gehört, hält gleich mehrere Rekorde: 239.000 Einwohner auf 168 Quadratkilometern bedeuten den größten und zugleich am dünnsten besiedelten Bezirk. Kein Wunder bei 41 Prozent Wald- und 13 Prozent Gewässer-Anteil an der Fläche.
Und auch die Wissenschaft boomt. Attraktive Mietflächen sind im Technologiepark Adlershof besonders gefragt. Dazu hat die Hochschule für Technik und Wirtschaft ihren Umzug nach Oberschöneweide abgeschlossen. Etwa 10.000 Studenten werden auf dem Campus am Spreeufer ausgebildet. Rund 60 verschiedene Studiengänge in den Bereichen Technik, Wirtschaft, Informatik, Kultur und Gestaltung sind im Angebot. Und auch kulturell hat Köpenick einiges zu bieten. Zum Beispiel mit dem alljährlichen Sommerfest „Jazz in Town“, bei dem Weltstars genauso auftreten wie alte Jazz-Legenden. Denn die Kultur macht in Köpenick nie Urlaub.
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