Hier spielt die Musik

Hier spielt die Musik

Friedrichshain.

– © s.schabbach - photocase.com

In den vergangenen Jahren hat sich zwischen Oberbaumbrücke und Frankfurter Allee einer der angesagtesten Kieze der Hauptstadt entwickelt. Aber auf alle Fälle der kreativste. Daran besteht kein Zweifel – denn egal ob Musik, Kunst oder Mode, Friedrichshain ist als Kreativzentrum immer ganz vorne mit dabei. Erstaunlich ist aber, dass sich der Stadtteil auch seine Widersprüche bewahrt hat. Ein Spaziergang macht deutlich, dass abgerockte Industriebauten, gutbürgerliche Wohnviertel und hippe Ecken oft nur einen Straßenzug weit auseinander liegen.

Simon-Dach-Straße: Kneipenviertel und Szenekiez

Beginnen wir doch mit dem Kneipenviertel um die Simon-Dach-Straße. Hier zeigt sich, warum Friedrichshain seit den späten 1990er Jahren den Ruf eines „Szeneviertels“ hat. Immer wieder eröffnen hier neue Cafés, Bars und Lounges, in denen es sich lohnt, einige Zeit zu verbummeln. Dann merkt man schnell: Sehen und gesehen werden, das ist hier die Maxime, egal zu welcher Tages- und Nachtzeit.

Friedrichshain: Wohnen in Gründerzeitbauten

Die Simon-Dach-Straße entspricht ziemlich genau dem Bild, das sich Berliner und Berlin-Besucher von Friedrichshain gemacht haben. Aber das ist noch längst nicht alles. Friedrichshain kann auch anders. Das kann man schon wenige Fußminuten entfernt in Richtung Ostkreuz erleben, wenn man dort eine scheinbar andere Welt betritt. Eine Welt klassizistischer Gründerzeitbauten mit Erkern, Loggien und Risaliten. Schmiedeeiserne Fußgängertore begrüßen die Besucher: Willkommen im Wohnquartier Helenenhof.

Helenenhof: Reformbau im Szeneviertel

Der Helenenhof zwischen Gryphius- und Holteistraße ist ein Vorzeigeobjekt für den „Reformbau“ der Gründerzeit. Während die Wohnungsnot in der damals rasant wachsenden Hauptstadt andernorts zu tristen Mietskasernen und düsteren Hinterhöfen führte, waren hier schon 1906 alle Wohnungen „durchgängig belichtet“ und mit Innenbädern ausgestattet. Erbaut wurde die repräsentative Anlage von Erich Köhn (1870–1945) für den 1900 gegründeten Beamten-Wohnungsverein zu Berlin. Die Häuserzeilen, die vor einigen Jahren nach abeschlossener Sanierung den „Friedrichshainer Bauherrenpreis“ erhielten, sind einen Besuch wert. So ruhig und so bürgerlich kann das Szeneviertel auch sein!

Turnhallen: Dinieren unterm Basketballkorb

Wer nun erst einmal eine Pause einlegen möchte, sollte in die Turnhalle gehen. Moment – Turnhalle? Pause? Ja, denn während in dem Hauptgebäude der ehemaligen Max-Kreuziger-Oberschule inzwischen schicke Eigentumswohnungen entstanden sind, befindet sich in der alten Turnhalle der Schule an der Holteistraße nun ein Restaurant. Das allein ist schon einen Besuch wert. Wo kann man sonst schon unterm Basketballkorb dinieren? Vor allem in den Sommermonaten ist allerdings auch der Garten sehr schön. Hier stehen bequeme Lounge-Möbel unter Sonnensegeln und Tische inmitten eines mediterranen Zitronen- und Olivenbaumambientes.

Osthafen: Musikfirmen in Hafengebäuden

Ganz im Süden von Friedrichshain, direkt an der Spree, liegt der Osthafen, der zu DDR-Zeiten einer der wichtigsten Warenumschlagplätze des Landes war. Bis heute sind die alten Lager- und Kühlhäuser noch Zeugen dieser Zeit. Nur dass sich inzwischen in den alten Gebäuden Medienfirmen wie Universal Music, MTV, Fernseh- und Modestudios angesiedelt haben. Und mittendrin die vielleicht spektakulärste Hoteleröffnung der vergangenen Monate: das Viersterneplus-Hotel nhow.