Festivals und Clubs: Die Berliner Jazz-Szene

Festivals und Clubs: Die Berliner Jazz-Szene

Live in Berlin

Jazz – © Günther Steffen

Berlin ist nicht nur Wiege der technischen Musik und Heimat international berühmter Klassik-Orchester, sondern auch eine Hochburg des Jazz. In Berlin leben und wirken bekannte Größen wie Jocelyn B. Smith und Till Brönner, einem der derzeit besten deutschen Jazztrompeter. Im November findet mit dem JazzFest Berlin eines der internationalen wichtigsten Jazzfestivals statt. Und das ganze Jahr über wird in zahlreichen Clubs der Stadt gejazzt, geswingt und gejammt.

JazzFest Berlin

Das JazzFest Berlin zählt zu den ältesten und angesehensten Jazz-Veranstaltungen in Europa. Vom 3. bis zum 6. November 2011 treten hochkarätige Berliner und internationale Jazzmusiker unterschiedlichster Stilrichtungen auf. Dieses Jahr liegt anlässlich der großen Ausstellung „Tür an Tür. Polen – Deutschland. 1000 Jahre Kunst und Geschichte“ im Martin Gropius Bau der Schwerpunkt auf dem Jazzland Polen. Vor allem der Komponist und Pianist Krzysztof Komeda, der die Musik zu Polanskis „Rosemary’s Baby“ komponierte, steht im Mittelpunkt des Festivals. Neben polnischen treten auch weitere bekannte Künstler aus anderen Ländern auf: Frankreich und Griechenland sind ebenso wie die USA und Skandinavien mit starken Stimmen und großartigen Musikern vertreten.

Jazz in den Ministergärten

„Sieben Länder – Ein Festival“ – unter diesem Motto verwandeln sich am 21. Oktober die Landesvertretungen in den Ministergärten zu Jazzlokalen. Im Rahmen des Festivals of Lights treten zahlreiche Künstler mit einem weitgefächerten Programm aus Jazzklassikern, Swing oder Cajun auf. Eröffnet wird das Festival, das seinen 10. Geburtstag feiert, von der Marching Band IG Blech, die vom Potsdamer Platz zum Brandenburger Tor marschiert.

Von A bis Y: Berliner Jazzlokale

Berlins ältester Jazzclub ist das Quasimodo im Keller des Theater des Westens. In intimer Clubatmosphäre spielen berühmte Jazzmusiker und Newcomer. Häufiger Gast ist die berühmte Sängerin Jocelyn B. Smith, die seit langem in Berlin lebt und Konzerte gibt.
Im nahegelegenen A-trane traten ebenfalls schon die großen Namen wie Herbie Hancock, Diana Krall oder Wynton Marsalis auf. Bei den beliebten Jam Sessions kann man vielleicht die Stars von Morgen entdecken. Im Kreuzberger Yorckschlösschen kommen Jazz- und Bluesfreunde ebenfalls auf ihre Kosten. Mittwochs und am Wochenende gibt es Live-Musik. Das 1995 gegründete b-flat hat sich zu einem der populärsten Clubs für Live Musik entwickelt, in dem jeden Abend Jazz, aber auch viele weitere Musikstile, gespielt werden. Restaurant, Jazzclub und „Musikcafé mit Vorgarten“ ist der Badensche Hof in Wilmersdorf, in dem vor allem Black Music auf dem Programm steht – und dazu passend Cajun-Küche serviert wird. Erst in Prenzlauer Berg, mittlerweile in Mitte angesiedelt ist die Kunstfabrik Schlot, die zunächst als reiner Jazzclub begann. Heute finden im Schlot neben Jazz-Konzerten auch Improvisationstheater und ein literarischer Frühschoppen statt .
Tipp: Bei den Jam-Sessions ist der Eintritt in vielen Clubs frei.

Eine kleine Zugabe

In den Zwanzigern eroberte der Jazz die Berliner Clubs, Varietés und Kneipen und erlebte seine Glanzzeit. Im Nationalsozialismus wurden Jazz und Swing als undeutsche, „entartete“ Musik geächtet und später verboten. Konzerte und Tanzabende fanden heimlich statt. Nach dem 2. Weltkrieg wurde Berlin zu einer der deutschen Hochburgen des Jazz. Neben den Stars der lokalen Jazzszene treten bis heute berühmte Künstler aus aller Welt gerne in den Clubs und auf den Bühnen der Stadt auf. Immer wieder gab es besondere Höhepunkte, die in Erinnerung bleiben, so wie 1991 das lässige „Live in Berlin“-Konzert von John Lurie and the Lounge Lizards .
Seit Juli 2005 hat Berlin auch eine hervorragende Adresse für die musikalische Jazzausbildung: Das Jazz-Institut Berlin am Einsteinufer in Charlottenburg ist ein von der Universität der Künste (UdK) und der Hochschule für Musik Hanns Eisler (HfM) gemeinsam gegründetes Institut.
Einen guten Überblick über die Szene plus Veranstaltungsprogramm gibt es auf www.jazzinitiative-berlin.de oder www.jazz-guide-berlin.de.