Charlottenburg

Charlottenburg

Der Stadtteil der Königin: Sophie Charlotte gab dem Bezirk Schloss und Namen.

– © Scholvien

Kurfürstin und spätere Königin Sophie Charlotte (1668-1705) ist die Namensgeberin des Stadtteils. Kein Wunder, denn für sie wurde eines der Aushängeschilder der Bezirks und ganz Berlins geschaffen: das Schloss Charlottenburg. Aber auch abseits allen Adels hat der gutbürgerliche Bezirk mehr zu bieten, wie ein Spaziergang zeigen kann.

Gedächtniskirche und Schlosspark Charlottenburg

Ein englischer Reiseführer legt seinen Lesern Charlottenburg ganz besonders nahe. „Don’t miss“, heißt es dort, also „nicht verpassen“: Kurfürstendamm, Schloss Charlottenburg, Berggruen-Museum und Gedächtniskirche. Die Kirche solle man, laut des Reiseführers, unbedingt gesehen haben: 1895 eröffnet, im November 1943 zerbombt, zurzeit wird der 68-Meter-Turm, der vom Einsturz bedroht war, saniert. Doch natürlich wird das zerbombte Dach auch weiterhin als kaputtes Mahnmal des Zweiten Weltkriegs bestehen bleiben. Doch abgesehen von der Gedächtniskirche entdeckt man Charlottenburg am besten auf Spaziergängen. Zum Beispiel im Schlosspark Charlottenburg. Er ist der älteste Park in Berlin und Potsdam. Sophie Charlotte, die Gemahlin von Kurfürst Friedrich III., ließ ihn 1697 im Stil des französischen Barock anlegen – zeitgleich mit dem Bau des Schlosses, das ihr als Sommersitz diente. Seinen besonderen Reiz bezieht der 55 Hektar große Schlosspark durch seinen Abwechslungsreichtum. Schmale Pfade und breite Wege durchziehen das Grün, durchbrochen von Wasserläufen und einem ausladenden Karpfenteich.

Vom Museum für Fotografie zum Schleusenkrug

Schon Boris Pasternak („Dr. Schiwago“) und Vladimir Nabokov („Lolita“) gingen im Schlosspark gern spazieren. Denn nach der Oktoberrevolution 1917 flohen viele Russen nach Berlin und machten Charlottenburg zu „Charlottengrad“. Sie alle kamen am Bahnhof Zoo an. Von dort floh später dann der jüdische Fotograf Helmut Newton vor den Nazis. Aus dem Zug blickte er zuletzt auf das ehemalige Offizierskasino in der Jebenstraße. Kurz vor seinem Tode hat er dort seine Newton-Stiftung eingerichtet, in der es regelmäßig Ausstellungen gibt. In den oberen Stockwerken befindet sich das Museum für Fotografie. Ganz in der Nähe, sozusagen in Riechweite vom Elefantengehege des Zoos, mitten im Tiergarten, befindet sich der Schleusenkrug, einer von Berlins stimmungsvollsten Biergärten.

Zum Shoppen in den Savignykiez

Wenn man dort Kraft getankt hat, empfiehlt sich ein Shopping-Spaziergang durch den Savignykiez. Ausgangspunkt ist der S-Bahnhof Savignyplatz. Aber Achtung: In der Grolmanstraße kann man in den alteingesessenen Künstlerkneipen wie dem Zwiebelfisch oder Florian hängenbleiben. Oder beim Promi-Spotting in der Paris Bar an der Kantstraße. Wer genug Prominente beobachtet hat, sollte die Antiquitätengeschäfte an der Pestalozzistraße besuchen. Auch einige Galerien gibt es dort im Kiez, genauso wie Buchläden, die sich auf das Berlin in den zwanziger Jahren spezialisiert haben. Die Bücherstube Margot Schöller ist dagegen bekannt für ihr umfangreiches englisches Angebot. Dazwischen liegen Cafés, Boutiquen, Weinläden, Rahmenmacher, Vergolder, ein Laden mit Schallplatten, ein Fachgeschäft für Filmplakate. In der Pestalozzistraße 14 spürt man auch etwas von der Vergangenheit des Viertels: Hinter der unspektakulären Fassade verbirgt sich die 1912 gebaute und im Zweiten Weltkrieg fast unbeschädigt gebliebene jüdische Synagoge.

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