Blick über Berlin

Blick über Berlin

Der Himmel über Berlin

Fernsehturm – © Scholvien

Es war das Jahr 1886, als die Fotografen noch richtige Sorgen hatten. Sorgen, die über zu kleine Displays auf den Digitalkameras oder einen zu langsamen Autofokus weit hinausgingen. Nein, als Hugo Ernst Georg vom Hagen – allein was für ein Name! – mit seiner Kamera als erster Mensch in den Himmel über Berlin aufsteigen wollte, musste er noch einen sperrigen Holzkasten von der Größe eines Schuhkartons in seinen Heißluftballon wuchten – und eine Menge Probleme mit der langen Belichtungszeit im wackeligen Korb in Kauf nehmen.

Soweit zur Geschichte. Seit den ersten Luftaufnahmen vor 120 Jahren hat sich einiges geändert. Aber der Himmel über Berlin hat seinen Reiz noch nicht verloren. Nur von oben, so heißt es, sei die wahre Struktur der Welt zu erkennen. Und wenn das so ist, glänzt Berlin silbermetallisch im Sonnenlicht, wenn man vom Restaurant des Berliner Fernsehturms auf die realsozialistische Wohnwelt der Häuserblöcke ringsum schaut. Oder dynamisch extrovertiert, wenn man das Jüdische Museum in den Blick nimmt. Oder regierungsamtlich hauptstadtgroß, wenn die Trias aus Kanzleramt, Reichstag und Hauptbahnhof in den Sucher gerät.

Hoch hinaus mit dem Ballon

Unten die tobende Großstadt, oben eine bessere Welt. Dafür steht auch der Hi-Flyer, der weltgrößte Passagier-Fesselballon mit einer Fläche von 1560 Quadratmetern und einem Durchmesser von 22 Metern. In der Gondel geht die Fahrt geräuschlos in den Himmel – Fahrgäste fühlen sich frei schwebend und sind doch über ein Stahlseil fest mit der Erde verbunden. Ein unvergessliches Erlebnis. Wem das Ballonfahren am Seil allerdings zu statisch ist, der kann auch einen Rundflug buchen. Vom Wasserflugzeuge bis zum Helikopter ist alles zu mieten, was Flügel hat.

Höher geht es nicht

Ein Klassiker für alle Berlinbesucher ist der Berliner Fernsehturm. Hier brauchen die Aufzüge 40 Sekunden bis zum Ausguck in 200 Metern Höhe. Zu DDR-Zeiten benötigte das rotierende Café des Berliner Fernsehturms eine volle Stunde, um sich einmal um die eigene Achse zu drehen. Im Kapitalismus aber ticken nicht nur die Uhren anders: Mit dem Fall der Mauer wurde auch die Rotationsgeschwindigkeit verdoppelt – nun ziehen Volksbühne, Staatsoper und Kanzleramt zwei Mal in der Stunde am Besucher vorbei. Bei guter Sicht kann man während des Essens bis zu 40 Kilometer weit über Berlin sehen.

Wolkenkratzer oder Trümmerberg?

Apropos Kapitalismus: Das höchste Bürogebäude der Stadt ist der Treptower – 125 Meter hoch. Rund 3.500 Mitarbeiter der Allianz arbeiten hier. Und in den zusammen mehrere kilometerlangen Fluren und Foyers sind mehr als 500 Werke deutscher und internationaler Künstler des 20. Jahrhunderts ausgestellt. Der höchste Berg in Berlin liegt an der Teufelseechaussee im nördlichen Grunewald. Er ist an die 120 Meter hoch und besteht aus Schutt-Trümmern. Im Winter bietet er Skifahrern Abfahrten, im Frühling lassen Kinder ihre Drachen steigen. Der Blick auf Berlin ist zu jeder Jahreszeit schön. (rem)