775 Jahre Berlin: Die Berliner Stadtjubiläen 1937 und 1987 - Party, Pomp und Propaganda

Ausstellungen

775 Jahre Berlin: Die Berliner Stadtjubiläen 1937 und 1987 - Party, Pomp und Propaganda

Jahreshighlight
– © Landesarchiv Berlin
Historischer Festumzug Berlin (Ost) – © Landesarchiv Berlin/775 Jahre Berlin

Im Rahmen der Feierlichkeiten zum 775. Jubiläum Berlins informiert die große Open-Air-Ausstellung vor der Marienkirche über die früheren Stadtjubiläen von 1937 und 1987.

Das Jubiläum „775 Jahre Berlin“ lässt sich nur erklären mit Verweis auf drei frühere Berliner Stadtjubiläen. Schon das Jahr 2012 bezieht sich eher auf die zweifache 750-Jahr-Feier 1987 und auf die 700-Jahr-Feier 1937 als auf etwaige mittelalterliche Quellen. Die Vorgängerjubiläen der Reichshauptstadt und im geteilten Berlin wurden in einer „Zeit der Extreme“ und unter jeweils anderen politischen Bedingungen gefeiert. Der Rückblick auf diese Feste veranschaulicht das Wechselspiel zwischen städtischem Selbstverständnis und politischer Inszenierung und bindet die Vergangenheit Berlins an die Gegenwart der Bundeshauptstadt.

1937 feierte Berlin zum ersten Mal Geburtstag, ein Jahr nach der Olympiade und vier Jahre nach der nationalsozialistischen Machtübernahme. In historischen Umzügen und Festspielen inszenierte die Stadt ihre Vergangenheit: Sie betonte ihre germanische Vorgeschichte und feierte den Aufstieg zur Hauptstadt des Dritten Reiches. Die Berliner 700-Jahrfeier überschritt aber kaum die Grenzen eines kommunalen Festes, Adolf Hitler bevorzugte die Bayreuther Festspiele. 50 Jahre später rüsteten beide Stadthälften zu einer doppelten 750-Jahr-Feier. Das Jubiläum war ein direkter Wettbewerb um historische und politische Legitimität. Die Feierkonkurrenz dehnte die Festprogramme in Ost und West weit aus. Zwei Jahre vor dem Mauerfall standen sich Ost- und West-Berlin in voller Pracht gegenüber.

Die Ausstellung gibt einen Überblick über die öffentlichen Inszenierungen der drei Stadtjubiläen. In Fotos, Filmen und teilweise großformatigen Bildern werden die Umzüge, Ausstellungen und Feste dargestellt, ergänzt um Schlagwörter und Losungen. In Wort und Bild veranschaulicht die Ausstellung die wechselnde politische Ikonographie im Berlin des vorigen Jahrhunderts, und sie rekonstruiert auch die Topographie der Berlin-Jubiläen: Wo wurde gefeiert, wie wurde der Stadtraum jeweils inszeniert? Konkurrenzen, Übernahmen und Abgrenzungen zwischen den Berliner Stadtfeiern werden ebenfalls thematisiert, wie beispielsweise die West-Berliner Überlegung, keinen Festumzug zu veranstalten, weil dies die Hauptstadt unter den Nazis schon gemacht hatte - und dann auch Ost-Berlin.

In verschiedenen Abschnitten werden ausgewählte Phänomene genauer in den Blick genommen, mit besonderer Aufmerksamkeit für die doppelte Jubelfeier vor 25 Jahren. Die 750-Jahr-Feier in Ost und West hat viele Bauprojekte beflügelt oder angestoßen, die bis heute das Stadtbild prägen. Prominentestes Beispiel ist das Nikolaiviertel. Honecker selbst hatte den Ost-Berlinern die neue Altstadt zum 750. Geburtstag versprochen. Im Westen wurde der sogenannte „Zentrale Bereich“ entlang der Mauer durch verschiedene Rekonstruktionsprojekte neu erschlossen.

Die Ausstellung thematisiert auch Spötteleien und Proteste, die hüben wie drüben die offiziellen Berlin-Bilder unterliefen. So wurden überall in der DDR Berliner Trabis beschmiert („821 Jahre Leipzig“), und im Westen regte sich erheblicher Unmut über den Skulpturenboulevard am Ku‘damm. Gewalt gab es auch: In Kreuzberg kam es 1987 erstmals zu größeren Ausschreitungen am 1. Mai. Unter den Linden trieb die Stasi Ost-Berliner Jugendliche auseinander, die westliche Popkonzerte am Reichstag hören wollten.

Neben historischen Bildern und Fotos werden weitere Dokumente und Artefakte einbezogen, darunter Zeitungen, Stadtpläne, Kostüme und Souvenirs.

Der Eintritt ist frei.

Organisation und Text: Kulturprojekte Berlin

Ein Infopoint an der Marienkirche informiert Sie zu allen Veranstaltungen, Projekten und Ausstellungen rund um das Berliner Stadtjubiläum. Hier erhalten Sie darüber hinaus Flyer, Infomaterial sowie kompetente Auskunft über Berlin. Viele touristische Angebote wie die Berlin WelcomeCard und der 3-Tage-Museumspass, Broschüren oder Tickets können Sie direkt vor Ort erwerben. Täglich geöffnet von 9.30 – 19.30 Uhr.

Zum Veranstaltungskalender Vor der Marienkirche vom 25.08.2012 bis 28.10.2012

Infobox

Vor der Marienkirche
Karl-Liebknecht-/Spandauer Straße
10178 Berlin MITTE
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Nach: Karl-Liebknecht-/Spandauer Straße
10178 Berlin