Premiere: Juliette

Sprechtheater

Premiere: Juliette

Tagestipp
– © Promo (general_use)

Michel ist von einer Obsession getrieben. Sie heißt Juliette. Er hat diese Frau schon einmal gesehen, das muss Jahre her sein. Er kann sich genau an alles erinnern, an ihr Kleid und den Klang ihrer Stimme. Er muss sie wiederfinden. Er kehrt zurück an den Ort, an dem er sie das letzte Mal gesehen hat. Seltsam nur, wie sich hier alles verändert hat: Alle Bewohner haben das Gedächtnis verloren. Was hat das zu bedeuten? Michel verliert auf der Suche nach Juliette immer mehr seine Orientierung. Anscheinend ist er der einzige, der sich erinnern kann. Er wird zum »Kapitän« ernannt und erhält eine Pistole mit einer Kugel, verbunden mit dem Hinweis, diese niemals zu benutzen. Er findet Juliette. Sie verabredet sich mit ihm im Wald

Als sie sich von ihm losreißt, zieht er seine Pistole und schießt blindlings. Er flüchtet und verliert Juliette wieder. Zurück in der Stadt klopft er an Juliettes Tür. Eine fremde Dame öffnet und erklärt, dass sie schon seit Jahren allein in diesem Haus lebt. Michel beschließt, den Ort wieder zu verlassen. Doch als er sich auf den Weg macht, hört er durch ein offenes Fenster abermals Juliettes Gesang. Die 1938 in Prag uraufgeführte Oper Juliette nimmt eine Zentralstellung im Schaffen des Komponisten Bohuslav Martinů ein und bildet gleichsam chronologisch den Mittelpunkt seines Lebenswerks. Für Martinů, der zu den vielseitigsten Komponisten des 20. Jahrhunderts gehört und unterschiedlichste Gattungen und Stile — von tschechischer und mährischer Volksmusik bis Jazz reichend — erprobte und in seine Werke integrierte, eröffnete sich mit seinem Umzug von Prag nach Paris 1923 eine neue Welt der Inspiration. In Paris sorgten die Surrealisten um ihren geistigen Anführer André Breton mit einer neuen Welt- und Kunstauffassung für Furore. Das erklärte Ziel, die materiell-realistische Sphäre mit der des Übernatürlichen und Unterbewussten zu vereinen, entsprang nicht zuletzt der Auseinandersetzung mit Sigmund Freuds Traumdeutung. »Ich glaube an die künftige Auflösung dieser scheinbar so gegensätzlichen Zustände von Traum und Wirklichkeit in einer Art absoluter Realität«, formulierte es Breton in seinem berühmten ersten Manifest des Surrealismus. Auch das Theaterstück Juliette ou la clé des songes, des sich ebenfalls dieser Gruppe zurechnenden Georges Neveux, entstand 1927 in der Blütezeit des Surrealismus. Martinů lernte es im Jahr seiner skandalträchtigen Uraufführung 1930 kennen und zeigte sich sogleich begeistert von seiner neuartigen Dramaturgie sowie dem mysteriösen Inhalt. Dennoch sollte es noch einige Zeit dauern, bis er Juliette als Vorlage für eine Oper in Erwägung zog. Martinů berichtete Neveux im Sommer 1936 von seinem Vorhaben und spielte ihm den bereits fertig gestellten ersten Akt auf dem Klavier vor. Noch Jahre später äußerte sich Neveux euphorisch über das bei diesem Treffen Gehörte und sicherte dem Komponisten die Rechte an dem Stück umgehend zu. Für die phantastische Traumwel dieser Oper erfand Martinů eigene formalmusikalische Strategien wie z. B. die sogenannten »Juliette-Akkorde«, die er auch in späteren Werken verwendete. Nicht zuletzt machen der klangliche Facettenreichtum, der lyrisch-impressionistische Tonfall und die farbenreich-differenzierte Behandlung des Orchesterapparats Juliette zu einem der großen Musiktheaterwerke des 20. Jahrhunderts.

Weitere Termine:
02.06. 19:30, 05.06. 19:30, 07.06. 19:30, 10.06. 19:30, 14.06. 19:30, 18.06. 19:30

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© Berlin Bühnen

Staatsoper im Schiller Theater am 28.05.2016 um 19:00

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Staatsoper im Schiller Theater
Bismarckstr. 110
10625 Berlin Charlottenburg
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Nach: Bismarckstr. 110
10625 Berlin
19:00