Was Google nicht weiß

Was Google nicht weiß

Endlich Sommer in Berlin – doch wo ist der Teufelssee?

– © Google Maps

Im Zeitalter von Google Maps und Street View, die es mir theoretisch ermöglichen, auf dem Bildschirm meines Laptops in das Planschbecken meiner Nachbarn zu tauchen, sollte es kein Problem sein, einen Berliner See geografisch exakt ausfindig zu machen. Dachte ich.

Vor einigen Wochen, an einem sommerlichen Sonntagmorgen klingelt mein Telefon: „Pack die Badehose ein, nimm Dein kleines Schwesterlein und dann geht es ab zum… Teufelssee!“ Eine gute Idee – hier war ich schließlich noch nie! Ich sage sofort zu. Ob ich denn auch wisse, wie man da hinkommt? Na klar! Wozu gibt es denn Google Maps?

Die Sonnenbrille auf der Nase, das Handtuch schon unterm Arm, google ich schnell noch eben meine Wegbeschreibung und komme ernsthaft ins Zweifeln: Da ist kein See! Den Teufelssee gibt es bei Google nicht. Zumindest ist er topografisch als solcher nicht vermerkt (siehe Bild). Es führen offenbar auch keinerlei Wege dorthin. Für Stadtkinder ohne Pfadfinderausbildung, die sich nur selten in den Grunewald verirren, ist das ‚A‘ im Nirgendwo eine echte Herausforderung. Zumal der Grunewald im Vergleich mit dem Lustgarten dann doch um einiges größer ist.

Am Ende lasse ich mich telefonisch vom S-Bahnhof Grunewald zum Teufelssee leiten. Es gibt ihn also doch. Auf meinem Handtuch angekommen und nach einer ersten Runde im See, verstehe ich die digitale Rückständigkeit.

Gefühlt befinde ich mich in den 70er Jahren. Die Hälfte der Badegäste ist ganz selbstverständlich nackt, jedoch ohne aufgesetzten FKK-Zwang. Ein paar Männer neben mir philosophieren mit offenem Haar und hinter John-Lennon-Brillen über den Sinn des Lebens. Mindestens drei Leute um mich herum sind in Meditation und Joga vertieft. Man hört fast ausschließlich tiefstes Berlinerisch. Alle sind unglaublich entspannt und es ist auffällig ruhig. Hier und dort tönt verrauscht ein kleines Kofferradio. Kindheitserinnerungen kommen hoch. Jetzt fehlt nur noch der Eismann. Und auch der kommt tatsächlich noch an meinem Handtuch vorbei.

Autos, S-Bahn, Handyklingeln – alles scheint hier ganz weit weg. Die Luft riecht nach Sonnencreme und dem umliegenden Grunewald. Der See taugt für Schwimmer genauso wie fürs Planschen am Rand. Von einer kleinen Mittelinsel kann der Bauchklatscher noch geübt werden. Ein paar Rettungsschwimmer haben das Geschehen im Auge. Die Umliegenden Wiesen mit Hanglage und Schattenplätzen unter großen alten Bäumen ersetzen die anderswo überfüllten Liegewiesen.

Kaum zu glauben, dass gleich da draußen vor den Toren des Grunewalds die hippeste und coolste Weltmetropole wartet, in der alles und jeder digital verortet ist. Und während via Geotagging vermutlich gerade jemand die letzten freien Liegeplätze im Prinzenbad posted, existiert der Teufelssee kartografisch noch nicht einmal im Netz. Und das ist auch gut so. Google muss ja schließlich nicht alles wissen.

Kommentare

Auch ein Markführer kann eben nicht alles

Google ist zwar omnipräsent, jedoch kann ein Anbieter allein eben nicht alles leisten. Wer den Teufelssee oder mehr kleine Wege im Grunewald im Netz sucht, wird bei anderen Kartenanbietern wie zum Beispiel "Bing Maps" fündig.