Preußischer Klassizismus

Preußischer Klassizismus

Von Glanz und Gloria

Museumsinsel – © Scholvien

Die Dynastie der Hohenzollern hat Berlin ihre ganz besondere architektonische Prägung gegeben. „Preußens Gloria“ sollte sich auch im Städtebau widerspiegeln. Orte und Plätze wie der Gendarmenmarkt oder der Pariser Platz bringen gar italienisches Flair an die Spree.

Der prachtvollste Palast Berlins hingegen entstand weit entfernt, in Charlottenburg. Als kleines Gartenschlösschen für Sophie Charlotte geplant, wurde das Schloss Charlottenburg in rund 100jähriger Bauzeit unter maßgeblicher Beteiligung von Eosander von Göthe, Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff und Carl Langhans mit Kuppelturm, Ost- und Westflügel, Großer Orangerie und Schlosstheater ein Wahrzeichen der Stadt.

Aber das herausragende Beispiel preußischer Architektur ist zweifellos die Museumsinsel – so etwas wie die Akropolis der Künste. Die Namen beinahe aller großen Baumeister der Stadt – Schinkel, Langhans, von Knobelsdorff, Stüler und Nering – sind eng mit der Insel verknüpft.
Der ehemalige Opernplatz, der heutige Bebelplatz Unter den Linden, bildet in seiner Anlage das Zentrum des Forum Fridericianum, das auf Entwürfe des König Friedrich II. und seines Baumeisters Knobelsdorff zurückgeht. Das Forum entstand nach dem Regierungsantritt Friedrich II. ab 1741 als neues Wissenschaftszentrum und künstlerischer Mittelpunkt des preußischen Königreiches. Die ehemalige Königliche Hofoper, die heutige Staatsoper Unter den Linden erhebt sich als erstes und ältestes Bauwerk des Forum Fridericianum.

Direkt hinter der Oper entstand zwischen 1747 und 1773 die St.-Hedwigs-Kathedrale mit ihrer imposanten, im Durchmesser 40 Meter großen Kuppel, ein Gotteshaus im Stil eines römischen Pantheons. Gerade die unterschiedlichen Baustile vom Klassizismus über den Barock bis zum Rokoko machen die Schönheit des Platzes aus.

Eine „Freistätte für Kunst und Wissenschaft“ wollte der preußische König Friedrich Wilhelm IV. auf dem Areal der Spreeinsel nördlich von Schinkels Altem Museum geschaffen wissen. Der Architekt Friedrich August Stüler, der nach Schinkels frühem Tod 1841 bestimmt war, die königlichen Wünsche auszuführen, sah in dem von ihm entworfenen und 1855 eingeweihten Neuen Museum „einen Mittelpunkt für die höchsten geistigen Interessen des Volkes“. Keine geringen Ansprüche also, die sich auf die Museumsinsel richteten.

Vollendet und zu Ende gebaut war die Museumsinsel allerdings nur für kurze Zeit: für die neun Jahre zwischen der Eröffnung des Pergamonmuseums 1930 und der Schließung aller Museen mit dem Kriegsbeginn 1939. Die Sanierung der Museumsinsel mit mehr als 2,5 Milliarden Euro ist daher das größte kulturelle Investitionsprojekt Deutschlands. Das Neue Museum, von allen Sammlungen auf der Insel am schwersten durch Fliegerbomben und Artilleriebeschuss getroffen, wurde erst 2009 wieder eröffnet.