Potsdamer Platz

Potsdamer Platz

Ein neues Zentrum

Potsdamer Platz – © Pierre Adenis

Lautlos jagt der Aufzug die Stockwerke nach oben: 21, 22, 23, erst bei 24 bleibt die digitale Anzeige stehen. Und die Besucher sind mit dem mit 8,5 Metern pro Sekunde schnellsten Aufzug Europas auf der Aussichtsplattform des dunkelroten Klinkerhochhauses am Potsdamer Platz 1 angekommen. Hier hat man den Weitblick über die Innenstadt. Zwischen Metallgitter und Backsteinsäulen liegen das Kulturforum im Westen, der Reichstag im Norden, der Alexanderplatz im Osten und das Rathaus Schöneberg im Süden.

Und zu Füßen der Potsdamer Platz: Nach Krieg, Bombentreffern und Abrissbirne war der Platz mehr als vier Jahrzehnte ein Niemandsland zwischen Ost und West. Doch nachdem die beiden Großinvestoren DaimlerChrysler und Sony das Bauen und Buddeln über Jahre hinweg als spektakuläres Massen-Event inszeniert haben, schlägt auch hier das Herz des neuen Berlins.
1998 wurde der erste Abschnitt der modernen Einkaufsstadt eröffnet. DaimlerChrysler – heute Daimler AG - beauftragte den Wettbewerbsgewinner Renzo Piano mit seinem deutschen Partner Christoph Kohlbecker. Das riskante Unternehmen, einen kompletten Stadtteil aus dem Nichts heraus zu errichten und einen funktionierenden Organismus zu schaffen, in dem sich Zehntausende Menschen täglich aufhalten, ist allen Kritikern zum Trotz, gelungen. Piano legte besonderes Augenmerk auf die Qualität der öffentlichen Freiräume: Straßen, Gassen und Plätze, die im Sinne der traditionellen europäischen Stadt die Besucher mit Straßencafés und Läden zum Aufenthalt einladen.

Die wenigen historischen Reste, wie die Lindenallee der Alten Potsdamer Straße und das Weinhaus Huth von 1910, lassen zuweilen die Tatsache vergessen, dass es sich um eine komplett neu erbaute und vor allem private Stadt des Daimler Chrysler Konzerns handelt.
Weithin sichtbares Erkennungszeichen des 2001 eröffneten Sony Centers ist ein riesiges, weißes Zeltdach, das die Plaza des aus sechs Gebäuden bestehenden Sony Centers überspannt. Am Abend wird die spektakuläre Dachkonstruktion aus Stahl, Glas und Stoff in einem Wechselspiel von Farben beleuchtet, die die wechselnden Stimmungen von Sonnenuntergang bis Dunkelheit reflektieren soll.

Ausschlaggebend für die Wahl des Entwurfes des Architekten war aber wohl die technisch-futuristische Anmutung des gesamten Centers, mit „schwebenden“ Glasaufzügen und Außen-Rolltreppen, die dem Unterhaltungs- und Elektronik-Konzern als adäquates architektonisches Image erschienen. Das Sony Center wirkt wesentlich einheitlicher als das DaimlerChrysler Quartier. Dennoch gibt es in der sehr homogenen, „coolen“ Fassadengestaltung interessante Varianzen: Und zwar durch einige historische Relikte des ehemaligen Luxushotels Esplanade, die wie in Glasvitrinen stehend, in die Neubauten integriert wurden.