Soundtrack zur Rotwein-Melancholie
Schleppende Melodien mit bittersüßem Nachgeschmack, durchzogen vom Klagen eines Akkordeons und von Blechblasinstrumenten. Dazu Texte, die abgrundtief melancholisch und lebensfroh zugleich sind. Element of Crime liefern den Soundtrack für einsame Abende bei schwerem Rotwein.
„Es gibt aber auch eine Menge Leute, die pfeifen das beim Bügeln oder auf dem Heimtrainer mit, und viele hören Musik ja auch nur noch beim Autofahren. Es ist ja nur Musik“, sagt Texter, Sänger und Trompeter Sven Regener. Und da nimmt er seine Songs aber weniger wichtig als es viele Fans der Kult-Band tun.
1985 gründet sich Element of Crime in West-Berlin. Den Namen borgen sie sich von Lars von Triers Film. Bereits im Herbst desselben Jahres nehmen sie in nur fünf Tagen ihr Debüt „Basically Sad“ auf. Mit dem 1987 in London aufgenommenen Album „Try To Be Mensch“ werden sie in der Szene populär. Und das über Grenzen hinaus: Sie schmuggeln ihre Instrumente nach Ost-Berlin und treten heimlich vor Fans in der Zionskirche auf.
1991 wagen sie etwas, das in der damaligen Zeit für deutsche Bands noch unerhört war: Sie bringen mit „Damals Hinterm Mond“ das erste komplett deutschsprachige Album heraus. Dennoch wird das Album ein Erfolg. Und das obwohl – oder gerade weil? – sie sich musikalisch für Streicher und andere Instrumente geöffnet haben.
Mit dem Album „Weißes Papier“ gelangen sie 1993 erstmals in die Album-Charts. Sie sind eine Album Band. Dass die Band trotz erfolgreicher Lieder bis heute nie wirklich einen Single-Hit hatte, sieht Regener als Segen. „Dann geht man auf Tournee, und alle wollen nur jenes eine Lied hören. Das hält kaum eine Band aus.“
Heute, nach einem Viertel Jahrhundert Bandgeschichte, lassen es Element of Crime ruhig angehen und verfolgen auch immer wieder andere Projekte. Gitarrist Jakob Ilja zum Beispiel arbeitete mit den 17 Hippies zusammen und komponierte Theater- und Filmmusik. Und Sven Regener schrieb seine „Herr Lehmann“-Roman-Trilogie.
Doch die vielen Solo-Aktivitäten stören die Bandarbeit nicht. Alles beim Alten. Sie bringen alle paar Jahre eine neue CD heraus, die man am besten mit einer Flasche Rotwein genießt. Dass – wie Kritiker kritteln – die Songs alle ähnlich klingen, stört weder die Fans noch Regener. „Jede Band hat drei oder vier Lieder, die sie immer wieder schreibt…“, sagt er und zuckt mit den Schultern.


