Die Berliner Mauer im Film

Die Berliner Mauer im Film

Fluchtgeschichten, Thriller und Komödien

Goodbye Lenin – © Goodbye Lenin, Screenshot: Franz Kögler

Ob Komödie, Drama oder Thriller: Immer wieder wurde die Mauer in ganz unterschiedlichen Filmen thematisiert. Vor allem in internationalen Spionagefilmen war die Mauer ein gern genutztes Bild, da sie die Grenze zwischen den Systemen, den eisernen Vorhang, eindrücklich verdeutlichte. Der west-deutsche Film fing in den 80ern an, das Leben in einem von der Mauer geteilten Land in Komödien satirisch überspitzt zu zeigen. In der DDR hingegen galt die Mauer, der „antifaschistische Schutzwall“, als Tabu – auch im Film.

Eine kleine Auswahl

One, Two, Three (1961)

Die scharfzüngige Komödie One, Two, Three (Eins, zwei, Drei) von Billy Wilder macht sich über alle lustig: Die kapitalistischen Amis, die kommunistischen Russen und die immer noch obrigkeitshörigen Deutschen. Gedreht wurde 1961: Der Mauerbau führte dazu, dass das Brandenburger Tor in den Münchener Studios nachgebaut werden musste. Da unmittelbar nach dem Mauerbau keiner mehr über die Trennung in Ost und West lachen konnte, geriet der Film zum Flop. Erst in den 80ern Jahren wurde der Film in den West-Berliner Programmkinos wiederentdeckt und feierte große Erfolge.

Escape from East-Berlin (1962)

Der erste Spielfilm über die Mauer: Escape from East-Berlin (Tunnel 28) entstand 1962. Mit einem internationalen Staraufgebot (Don Murray, Christine Kaufmann, Ingrid van Bergen) zeichnet Regisseur Robert Siodmak die Geschichte einer Flucht in einem selbstgebauten Tunnel nach. Die Premiere fand ganz in der Nähe zur Mauer in der Kongresshalle (heute Haus der Kulturen der Welt) statt.

The Spy who came in from the cold (1965)

Einer der ersten und bis heute bekanntesten Ost-West-Spionagefilme: Der mit Richard Burton und Oskar Werner hochkarätig besetzte und Oscar-nominierte Film endet mit einer tödlichen Flucht an der Berliner Mauer. The Spy who came in from the cold (Der Spion, der aus der Kälte kam) zeichnet ein realistisches, desillusioniertes Bild von den Machenschaften der Geheimdienste, in denen auch die Spione nur Schachfiguren sind.

Torn Curtain (1966)

Die DDR aus amerikanischer Sicht: In dem Thriller Torn Curtain (Der zerrissene Vorhang) von Alfred Hitchcock reist der amerikanische Wissenschaftler (Paul Newman) hinter den eisernen Vorhang. Gedreht wurde unter anderem in West-Berlin, aufmerksame Zuschauer können den Fehrbelliner Platz erkennen. Am Ende gelingt die Flucht zurück in den Westen – allerdings nicht über das Mauerbauwerk sondern über die Ostsee nach Schweden.

Funeral in Berlin (1966)

Mit einer spannenden Fluchtszene beginnt der Film Funeral in Berlin (Finale in Berlin) mit Michael Caine als Spion Harry Palmer. Ein Flüchtling wird mit einem Kran über die Mauer geschmuggelt, was der Auftakt für einen packenden Spionagethriller ist. Viele Szenen zeigen West-Berlin kurz nach dem Bau der Mauer, auch die Mauer ist noch in der frühen Bauphase zu sehen.

Meier (1986)

Die Komödie Meier behandelt die Trennung der Stadt und das Leben in Ost und West. Meier, ein Ost-Berliner erbt im Westen und erhält einen West-Pass, bleibt aber in der DDR wohnen und schmuggelt Tapeten von West nach Ost, mit denen er zum Held der Arbeit aufsteigt. Allabendlich passiert er die Grenze. In der bekanntesten Szene des Films spielt Dieter Hildebrandt einen Kellner im Fischrestaurant, der auf jede Bestellung nur „Hamwanich“ antwortet.

Der Mann auf der Mauer (1982)

Ähnlich wie Meier kreist auch die satirische Tragikomödie Der Mann auf der Mauer um einen Grenzgänger zwischen Ost und West – einen Mauerspringer (so der Titel der Vorlage). Weder in Ost noch West-Berlin fühlt sich Kabe (spielt von Marius Müller-Westernhagen) wirklich wohl.

Octopussy (1983)

Auch James Bond war in der DDR: Am Alliierten-Grenzübergang Checkpoint Charlie reist der englische Top-Spion James Bond in die DDR ein, um den in Karl-Marx-Stadt spielenden Octopussy-Zirkus aufzusuchen. Der Kalte Krieg und das Wettrüsten bilden den Hintergrund für den Thriller Octopussy, welcher außerdem auf Kuba und in Indien spielt.

Der Himmel über Berlin (1987)

Wim Wenders Der Himmel über Berlin ist der Berlin-Film schlechthin, der noch heute mit seinen schwarz-weißen poetischen Bildern bezaubert.
Die Engel gehen nicht nur durch Wände sondern auch die Mauer. Geplant waren ursprünglich auch Szenen am Brandenburger Tor – zu der Zeit noch in Ostberlin gelegen -, doch wurde das Drehbuch von den zuständigen DDR-Behörden abgelehnt. Der Film zeigt eine Berliner Mauer, welche die Engel mühelos durchschreiten können. Eine wilde Ödnis ist der direkt an der Mauer gelegene Potsdamer Platz, heute ein völlig neu errichtetes Stadtviertel mit Hochhäusern.

Sonnenallee (1999)

Von einer Jugend im Schatten der Mauer erzählt Leander Haußmanns Film Sonnenallee, wobei er mit den Mitteln der Komödie die Absurditäten der Situation – auch die tragischen - aufzeigt. Die Mauer teilte einst auch die Straße Sonnenallee, wobei sich das kürzere südliche Stück in der DDR befand.

Helden wie wir (1999)

Am 10. Jahrestag des Mauerfalls feierte der Film Helden wie wir Premiere. Auf Thomas Brussigs Schelmenroman beruhend beschreibt er das skurrile Leben des Ost-Berliners Klaus Uhltzscht, der für den Fall der Mauer verantwortlich ist. Zumindest ist er dieser Ansicht.

Goodbye Lenin (2003)

Kurz vor dem 9. November fällt Christiane Kerner (Katrin Sass) ins Koma und verpasst so den Mauerfall. Nachdem sie wieder aufgewacht ist, versucht ihre Familie, ihr den Mauerfall und das Ende der DDR zu verheimlichen. Am Ende spielt ihr der Sohn ein gefälschtes Video vom Mauerfall vor, in dem kapitalismusmüde West-Deutsche die DDR stürmen, welche die Grenze großzügig geöffnet hat. Die warmherzige Komödie Goodbye Lenin war ein großer Erfolg bei Publikum und Kritik.

Das Wunder von Berlin (2008)

Mit bekannten deutschen Schauspielern wie Kaoline Herfurth, Heino Ferch und Veronica Ferres prominent besetzt, zeichnet der Fernsehfilm Das Wunder von Berlin die letzten Tage der DDR und den Mauerfall aus Sicht eines NVA-Soldaten (Kostja Ullmann) nach, der als erster den Schlagbaum an der Mauer öffnet.

Coming out (1989)

Kein Mauerfilm im eigentlich Sinn – und doch auf immer mit dem Mauerfall verbunden. Coming Out war der der erste DDR-Film über Homosexualität. Die Premiere fand im Kino International am 9. November 1989 statt.
Während sich rund 600 Gäste den Film anschauten, kam die Nachricht vom Mauerfall.